Bonding - Haut zu Haut Kontakt...

Das erste Kuscheln zwischen Mama und Neugeborenen direkt nach der Geburt.

Was hat es mit dem Erst Bonding auf sich? Was ist das überhaupt und warum ist es so wichtig für Mama und Baby? Wir erklären die 9 Phasen des Erst Bondings und warum Babys nicht gleich untersucht/gewogen oder an die Brust gelegt werden sollten.

Das Kind ist geboren. Was für eine Freude! So alles in Ordnung ist, sollte das Baby nun direkt auf Mamas nackten Bauch gelegt werden. Nackt, ungewaschen, Bauch auf Bauch ohne Unterbrechung oder Störung. Es sollte in Ruhe die 9 Phasen des Bondings durchlaufen können. Jede Trennung von Mutter und Kind sollte nur aus medizinisch notwendigen Gründen erfolgen.



Die 9 Stadien des Bondings direkt nach der Geburt:

1. Der erste Schrei nach der Geburt - Erleichtert die Entfaltung und Belüftung der Lunge.

2. Entspannungsphase - Das Baby liegt ganz ruhig auf der Mutter, macht keine Bewegungen mit Mund oder Händen und ist völlig entspannt.

3. Erwachen - Nach ca. 3 Minuten - Das Baby macht erste Bewegungen mit Schultern und Kopf.

4. Aktivität - Erste Saug- und Mundbewegungen, es öffnet seine Augen und sieht die Mutter an, studiert ihr Gesicht und prägt es sich ein. Es wird euch ab nun unter 100 Menschen an eurem Gesicht und eurem Geruch erkennen. Das ist auch der Moment bei dem sich die Mutter in ihr Baby verliebt. Es macht erste Suchbewegungen.

5. Ruhephasen - immer wieder werden die aktiven Phasen durch Ruhephasen unterbrochen

6. Krabbeln und Robben - nach ca. 35 min. beginnt das Neugeborene die Mamille und Areola ( Brustwarze und Vorhof) zu suchen. Es gibt dabei auch Laute von sich.

7. Kennenlernen, Gewöhnen - Das Neugeborene berührt und massiert vermehrt die Brust, führt die Hand zur Mamille und wieder zum Mund, macht Suchgeräusche, streckt die Zunge heraus und schlecht an Mamille und Areola. Es reagiert mit Blickkontakt auf Stimme und Aktivität von Mutter und Vater.

8. Saugen - Ca. 1 Stunde nach der Geburt erreicht das Baby die Brust und beginnt selbstständig zu saugen.

Wenn die Mutter unter der Geburt Medikamente erhalten hat, dauert dies meist länger!

9. Schlafen - 1,5 bis 2 Stunden nach der Geburt schläft das Baby und meist auch die Mutter entspannt ein.

(Widström, 2011, Walker, 2017:245)

Die übliche Klinikroutine wie Wiegen und Messen, sollten erst nach diesen 9 Phasen, nach dem Stillen und nach ausreichend Hautkontakt, durchgeführt werden. Der Geruchs- und Geschmacksinn der Babys ist voll ausgebildet und es erfolgt eine Prägung auf die Brust.

Können die 9 Phasen und somit das erste Kennenlernen, Ankommen und Stillen ungestört ablaufen hat dies folgende Vorteile:

  • Die Kinder schreien weniger
  • Sie halten ihre Körpertemperatur besser
  • Ihr Glucosespiegel im Blut ist stabiler
  • Sie beruhigen und entspannen sich leichter
  • Die Babys tun sich beim Stillen leichter, da alle Reflexe dafür stimuliert werden
  • Bei leichten Anpassungsschwierigkeiten des Kindes nach der Geburt führen Hautkontakt und die Wärme der Mutter zu einer Stabilisierung des Befindens (besser als ein Wärmebett)
  • Die Mutter erlebt ihr Kind aktiv und kann Vertrauen darin aufbauen, dass sie ihr Kind stillen kann (anders, wenn ihr das Kind an die Brust angelegt wird)


  • Förderung der Gebärmutter Rückbildung und Senkung von ernsthaften Blutungsrisiko
  • Unterstützung der Hormonumstellung
  • Förderung der Milchbildung durch Oxytocinausschüttung beim Bonden
  • Neben dem beruhigenden Effekt des Saugens stimuliert es auch die Speichelproduktion- Speichel enthält Enzyme zur Vorverdauung.
  • Atemwege werden durch das Saugen von Schleim befreit - jeweils kleine Mengen werden mitgeschluckt
  • Das Saugen von Kolostrum ( Vormilch) -fördert die Ausscheidung von Menkonium (Babys erstes Stuhl) und verringert so das Risiko für Neugeborenengelbsucht
  • Es findet eine frühe Besiedelung mit den individuellen mütterlicher Keimen statt - Fremdkeime (Klinik) können sich schlechter festsetzen
  • Die Mütter reagieren sensibler auf die Bedürfnisse ihrer Kinder (auch nach 1 Jahr noch zu beobachten)

(Lang, 2009:62, Riordan&Wambach, 2016:228f / 2016:230, Widström)

Frühgeborene:

Hautkontakt besser als Inkubator.
Laut Dr. Charpak kommen weltweit rund 18 Million Babys zu früh oder mit besorgniserregendem Gewicht zur Welt. 
Im Rahmen einer Studie an 700 Frühgeborenen (Journal of Pediatrics veröffentlicht) in Kolumbien zeigte sich, dass die Frühgeborenen, welche stetigen Hautkontakt (Kängaruhen) mit ihrer Mutter hatten besser entwickelt waren und einen großen Vorteil gegenüber jenen Frühchen hatten, welche in einem Inkubator lagen und nicht in die Kangaroo Mother Care - Methode (KMC-Methode) involviert waren.
Zudem zeigte sich bei den KMC-Frühchen eine geringere Sterberate von 3,5% gegenüber der anderen Gruppe mit 7,7%.
Ebenso war der IQ in der KMC-Gruppe um 3,5% höher und das Volumen der grauen Gehirnmasse besser entwickelt. Die Kinder neigten weniger zu Verhaltensauffälligkeiten.

Zudem wird die Temperatur des Frühchen durch das Kängaruhen besser reguliert als im Inkubator und sie Milchbildung bei der Mutter wird positiv beeinflusst.
Alles spricht für den ungestörten Hautkontakt zwischen Mutter und Baby.

http://www.stillen-institut.com/de/die-bedeutung-des-direkten-hautkontakts-fuer-alle-neugeborenen.html

http://www.stillen-institut.com/media/10-15-neues-aus-der-forschung.pdf

http://www.stillen-institut.com/de/ununterbrochener-hautkontakt-wichtig-fuer-den-stillerfolg.html

http://www.stillen-institut.com/de/muttermilch-geruch-beruhigt-fruehgeborene.html

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