Hier findet ihr Geburtsberichte die mit "Hindernissen" oder im Vorhinein geglaubte Ausschlusskriterien einhergehen.

Natürliche Geburten nach Kaiserschnitten, sehr schwere Kinder, angebliche Missverhältnisse zwischen Kopfgröße und Beckengröße, sehr lange Geburten, "Übertragende Kinder", Beckenendlagen, ...

Diese Berichte sollen euch Mut machen.

Geburtsbericht Molly (Baby KU 39 cm, 4920 g, 56cm)

Es war für uns ziemlich überraschend, dass sich so schnell nach Geburt von No.8 erneut Nachwuchs angekündigt hat. Ganze 6 Tage muss er geschwommen sein um das Ei zu erobern... ich war sehr überrascht, wie auch mein Mann, als beim 2. Screening das Baby als Mädchen geoutet wurde.. denn eigentlich hatte ich eher ein Jungen gefühlt, aber wir sind echt glücklich mit allem Beide, von daher spielte das eine eher untergeordnete Rolle .

Beim 3. Screening hiess es dann.. aaahhh das könnte auch ein Junge sein ... Die Schwangerschaft verlief überraschend gut, keine Probleme - super Blutdruck... ich war vom Kopf und Geist mega geduldig und befreit von Druck oder sonstigen. Ich rechnete mit einer Geburt bei +12/-+14 und war damit sehr im einklang. Ab 40+0 streikte jedoch mein Körper , die Schmerzen (schiefstehendes Becken bzw. Schiefes Sakralfugengelenk ) nahmen echt enorm zu, jede Nacht hatte ich Wehen die mir den Schlaf raubten, und der Blutdruck stieg. Bei 40+3 musste ich kurzzeitig sogar ins Krankenhaus, weil der Blutdruck bei 180/110 war, und das die Hebamme nicht mehr verantworten konnte.

Das HELLP Labor war aber unaufällig, und ich bekam ihn wieder gesenkt, und konnte deswegen nach 3 std. KH Aufenthalt entspannt weiter zuhause kugeln. Ab da kam die Hebamme 2x täglich zur Blutdruck Kontrolle. Mir ging es seelisch echt BLENDENT!

Ich freute mich soweit ohne Probleme gekommen zu sein, und der Blutdruck war nicht mehr so schön, aber mit 140/90 im Durchschnitt an der oberen Grenze. Die Wehen nahmen Nacht für Nacht an Intensität zu, mein Körper übte und übte, der Muttermund war schon länger bei 5cm, und ich wusste... WENN es losgeht, wird es vermutlich sehr schnell gehen. Doch ich glaubte nicht daran, dass es vor +10 losgeht! (keiner der Anderen kam vorher) bis zu letzt hatte ich einfach die Zeit und Geduld.

Bei 41+0 ( Et +7 ) gingen wir gegen 23 uhr ins Bett. Ich hatte, wie inzwischen jeden Abend meine "pillepalle" Wehen. Ich schaute immer mal auf die Uhr um Abstände zu messen, wie die letzten Nächte auch. Alle 12 Minuten kam eine "scheisse tut die weh" Wehe... dazwischen kamen so kleine "pieps ich zieh mal kurz durch" Wehen, wo ich dachte joah klar... ärgert ihr mich nun auch noch.

Ich dachte naja, schläfst ein bisschen, ... los gehen wird s nicht und die Wehen

(wie jede Nacht davor ) werden zum Morgen eh wieder WEG sein! Aber ich konnte nicht schlafen, ... um 1 uhr dann meckerte unsere no 8 los... sie hatte Durst. Also ging mein Mann runter um ihr Wasser zu geben... Ich stand mit auf um aufs Wc zu gehen... mitten beim Aufstehen tat es ein komisches Geräusch , ein Art knacks.. und ich schaute entsetzt aufs Laken wo sich rasch einige Tropfen Blut sammelten.

Ich bin aufs WC gegangen... Flur mit tropfenspur Blut,.. Treppe Blut,.. Knie an der Fensterbank im Flur, ... komm nicht weiter... Wehe ... ( eine der fiesen 12 Minuten Wehen) Mein Mann kommt ... sieht mich und schaut fragend... ich sag ihm, dass ich blute und möchte, dass er alles fertig macht, weil wir doch ins Krankenhaus fahren sollten. Sag ihm auch, dass ch keine Geburtswehen habe, und es vermutlich keine Geburt sein wird, aber ich dringend Abklärung wegen der Blutung haben möchte. (Ein Krankenwagen würde zu uns raus über 30 Minuten brauchen, und dann nochmals 30 Minuten in Klinik , da ist ein eigener Transport schneller )

Nun sass ich unten auf dem Wc ,.. und stellte fest,.. jaaa doch! Ich möchte lieber Ins Krankenhaus! Die Blutung hielt an. Ich zog mich also an, ( lustigerweise hatte ich vorm Zubett gehen, entgegen meiner sonstigen Angewohnheiten, alle Klamotten ordentlich unten über einen Stuhl gehängt .... das kam mir sehr gelegen )

Schnappte mir das Telefon und rief im Kreißsaal der kleinen Klinik für die wir uns kurzfristig umentschieden hatten an, dass wir uns auf den Weg machen!

unsere grosse Tochter ( 16 ) legte sich mit der Kleinen in unser Bett, und wir fuhren gegen 1.20 ca los... unterwegs haben wir dann noch gemerkt, das wir den Geldbeutel (mit Versichertenkarte usw ) zuhause vergessen hatten.

Also mitten auf dem Weg nochmal umgedreht,... ich sagte noch zu meinem Mann, nicht schlimm.. wir haben Zeit ,.. das ist keine Geburt, das sind bestimmt nur geplatzte Adern!

Als wir dann kurz vor 2 durch die Landkreisstadt fuhren, wurden die Abstände der "die tun verdammt weh Wehen" kürzer,.. von 12 auf 6 minuten,.. und ich dachte

(sagte das sogar recht laut ) in der Wehe... UUHHHH das Kind KÖNNTE jetzt doch kommen,.. währrend der Wehenpause dachte ich joah abklären was das ist und dann wieder nachhause fahren >> weiter kugeln in aller Ruhe !

Auf dem Parkplatz angekommen,.. erschienen die paar Meter von Parkplatz um Eingang plötzlich wie Kilometer... ich ging ein paar Schritte .. WEHE verdammt,.. ich muss aufs WC,.. so kamen wir laaaangsam dem Eingang entgegen,.. dann war der ZU!!!!!! Nachts verschlossen! Man muss das Personal anrufen! Mein Mann hebt das Telefon ab, und bellt rein, macht hier mal jemand die Tür auf,.. meine Frau bekommt gerade unser Kind!

Ich dachte nur.. jetzt spinnt er total.. das fühlt sich noch nicht nach Geburt an!

Das Personal lies sich natürlich Zeit ,.. und einige Wehen weiter,.. nämlich PUNKT 2 Uhr waren wir dann am Kreißsaal, wo wir nochmal klingeln mussten um eingelassen zu werden!

Nach einer kurzen Debatte das ich JETZT dringend aufs WC MUSS und nein, dass es NICHT das Kind ist, ging ich auf WC,... dannach zielstrebig in den Kreißsaal der frei war, wo ich am Tresen / Waschbecken festhing und erstmal Wehe veratmete. Die Hebamme bestand auf ein CTG und ich auf einen US,.. da rief sie erstmal Ärztin an, (ist keine Standard anwesend im Haus ) und mein Mann überredete mich doch ein CTG machen zu lassen!

Na guuuut, ich legte mich auf das Kreisbett (ein kleines schmales) und lies mir das ctg anlegen,.. dann untersuchte die Hebamme kurz,.. und meinte erschrocken, dass die Ärztin wohl zu spät kommen werde... das Kind kommt JETZT!

Die Ärztin kam doch .. wollte mir eine Kraunüle legen (in der Presswehe) .. als mit einer einzigen Presswehe unser Sohn komplett geboren wurde,

( 2.11 ) und die Hebamme ihn nur noch auffangen konnte... die Fruchtblase platzte erst mit Austritt der Schultern und die Pazenta kam direkt hinterher.

Noch in der Bewegung Kind aufnehmen und auf den Bauch legen, rief mein Mann schon, ein Junge ein Junge ... Er lag dann bei mir auf dem Bauch ,.. da klingelte die nächste Frau ... sie hatten gerade noch Zeit zu schauen, keine Geburtsverletzungen ect.

Wweil die andere Frau sehr betreuungsintensiv war... (kaum drehte Hebamme 1 Sekunde der Frau den Rücken zu, klingelte diese sofort und rief sie zurück .. ) da klingelte es nochmal und in der Klinik, in der jährlich maximal 300 Kinder zur Welt kommen, sammelten sich 2 Gebärenden und ich frisch Niedergekommende auf eine Ärztin und eine Hebamme.

Dazwischen wurde no 9 kurz gewogen... klingelt wieder Frau nebenan und brüllt ich will pda.... Hebamme wieder weg,.. nach 30 min. Hebamme wieder da... sagt 2cm Muttermund , schon pda, kaum Wehen. Das wird ne tolle Nacht ,.. misst no.9. klingelt die andere... so ging das ne Weile .. ich hab derweil gestillt, mit meinem Sohn gekuschelt und Papa nachhause geschickt, Sachen holen. Er kam dann, ich hab no9 angezogen, mich geduscht, angezogen und uns mit freundlichen Grüßen selbst entlassen. Später hab ich dann erfahren, das war der Hebamme ihr 1. Tag nach einer 10 jährigen Berufspause .

Mit 4920g, 56cm, ku 39cm - am 11.11. um 2.11 geboren, mein größtes und schwerstes Baby. Die geburt war extrem kurz und extrem heftig,. aber auch insgesammt sehr ruhend, kraftvoll und selbstbestimmt. Wir kuschelnden viel und kamen langsam als 11 köpfige Familie an.

GEBURTBERICHT ALEXANDRA (VBAC)

Natürliche Geburt nach Kaiserschnitt

Mein errechneter Geburtstermin war der 5.3.2018. Ich hatte die Tage davor schon immer wieder für 2 – 3 Stunden Wehen, meist nach dem Stillen meines Großen, nach Geschlechtsverkehr oder Anstrengung. Der Geburtstermin lt. MuKi-Pass war am 9.3.2018, an dem ich dann zum ersten CTG (Wehen- und Herztonschreiben) im Krankenhaus war. Alles war bestens. Es waren wunderbare Herztöne, aber keine Wehen zu sehen, was mich jedoch nicht beunruhigte. Am Mo, 12.3.2018 begannen, nach dem längerem Mittagsschlaf mit meinem Großen, regelmäßige Wehen im 7-Min-Abstand mit Dauer 1 Minute, die ich gegen Abend hin auch schon veratmete. Ich informierte meine Hebamme, machte mir einen Himbeerblättertee und entzündete die Geburtskerze.

Ich freute mich riesig, dass mein Körper selbstständig regelmäßige Wehen produzierte. Ich durfte Wehen spüren. Es war eine atemberaubende Erfahrung. Und wie fühlten sich diese Wehen an? Zu Beginn, wie eine Mischung aus Regelschmerzen und leichten Durchfallkrämpfen – also absolut annehmbar.

Eine laaaange Latenzphase

Nachts war ich in der Wohnung unterwegs, probierte die Techniken des Tönens und verschiedene Positionen aus. Es tat gut aus dem Repertoire des Instinctive Birthkurses schöpfen zu können und ich fand schnell meine Lieblingspositionen. Bei den vier Wannenbädern in dieser Nacht wurden die Wehen stärker aber ich konnte unheimlich gut entspannen. Schlafen konnte ich nicht mehr.

Ein kleiner Teil des Schleimpfropfs ging ab. Meine Hebamme meinte, wenn wir bei 5-Min-Wehenabständen sind, sollen wir uns wieder melden. Der Abstand blieb gleich bei 7 Minuten und Mittags konnte ich 1 Std zwischen den Wehen schlafen. Etwas erholt und wieder motiviert marschierte ich bis 0 Uhr wehend im Haus umher und schlief dann völlig erschöpft von 0 Uhr bis 7 Uhr zwischen den deutlich größeren Wehenabständen. Ich wusste aus dem Instinctive Birthkurs und von meiner Hebamme, dass bei einer VBAC die Latenzphase (erste Phase der Geburt) länger dauern kann, damit der Körper die Narbe an der Gebärmutter langsam an die Wehentätigkeit gewöhnen kann. Somit war ich nicht besorgt, sondern sehr stolz, dass mein Körper genau wusste, was er brauchte.

Am Mittwoch traf ich mich um 10 Uhr mit meiner Hebamme zum CTG – Schreiben. Es wurden zwar nur zwei kleine Wehen aufgezeichnet aber der Muttermund war schön weich und 2cm offen. Juhuuuu. Ich war überglücklich. Es ging voran.
Am Heimweg wurden die Wehen wieder regelmäßig mit 7 Min-Abständen und ich gönnte mir süße Leckereien vom Bäcker (die mir nach der zuckerfreien Louwen-Ernährung wie der Himmel auf Erden vorkamen). Die Nacht verbrachte ich mit intensiver werdenden Wehen tönend und wandernd im Wohnzimmer. Zwischendurch lag der Wehenabstand für 3 Stunden auf 5 Minuten. Ich verspürte jedoch nicht das Bedürfnis meine Hebamme zu kontaktieren.

Die Ruhe vor dem Sturm

Donnerstag Morgen war ich sehr müde. Mein Mann hatte frei und brachte Morgens unseren Großen zu meinen Eltern. Mittags nahm ich erschöpft ein Bad. Die Wehen waren weg. Ich legte mich auf Rat der Hebamme am Nachmittag schlafen und schlief 4 erholsame Stunden ohne Wehen. Danach gingen wir mit dem Hund in die Au spazieren und Abends holten wir meinen Sohn ab. War das die Ruhe vor dem Sturm gewesen? Nämlich sofort als ich ihn stillte, setzen um 18 Uhr wieder regelmäßige Wehen im 7-Min-Abstand mit Dauer 1 Minute ein. Also Mädels, es stimmt: Brustwarzenstimulation wirkt eindeutig Wehenanregend!

Wir legten den Großen ins Bett und mein Mann und ich waren im Wohnzimmer (wo ich von den letzten Nächten bereits ein Geburtsnest aus Matratzen und Pölstern gerichtet hatte), während die Wehen deutlich intensiver wurden und ich Postionen suchte um gut damit umgehen zu können. Ich tönte schon relativ laut und einige Wehen waren länger mit sehr intensiven Spitzen. Um 21:20h ging auf der Toilette der restliche Schleimpfropf ab und ich freute mich sehr und berichtete meiner Hebamme. Diese Info ging auch an meine Schwester und Eltern, die nun fest vom Startschuss zur Geburt überzeugt waren. Ich noch nicht so recht…..
Um 24 Uhr waren die Wehen zwar noch unregelmäßig bei 5 -7 Min aber schon merkbar stärker und noch dazu war mein rechter Oberschenkel taub. Wahrscheinlich von ein paar ungünstigen Beinstellungen während der Wehen. Da verrenkt man sich ja in alle Himmelsrichtungen um die optimale Position zu finden.

Ich bat meinen Mann die Hebamme zu fragen, wie wir für Linderung sorgen könnten, denn die Massage des Schenkels sorgte nur für heftige Wehen. Als die beiden telefonierten, vertönte ich eine stärkere Wehe. Mein Mann legte auf und meinte, wir sollen uns auf den Weg in die Klinik machen und die Hebamme wolle wissen, ob ich denn noch gehen könne, da das Tönen schon recht intensiv klang. „Na klar“ amüsierte ich mich. Es ging mir in den Wehenpausen super und wir konnten immer noch reden. Meine Mama kam um 00:30 Uhr um für unseren Sohnemann dazusein und wir fuhren los. Allerdings konnte ich plötzlich keinen Schritt mehr gehen und mein Mann fuhr mit dem Auto in die Fußgängerzone bis vors Haus. (Hatte unsere Hebamme doch recht?) Bis zum Einsteigen brüllte ich vor der Haustüre während der Wehen in ein Handtuch um die Anrainer nicht zu wecken. Wir waren in 25 Minuten von Wien 22 in der Klinik in Wien 13. Ich vertönte auf der Rückbank ca. 6 Wehen. Als ich merkte, dass sie während der Fahrt leichter werden wollten, ging ich in die tiefe Hocke, damit das Köpfchen schön Druck ausübt und ich die Intensität aufrecht erhalten konnte. Ich wollte keinesfalls, dass die Wehen leichter werden.

72 Stunden Wehen bis zum Eintreffen in der Klinik

Unsere Hebamme holte uns um kurz vor 1 Uhr vor dem Haupteingang der Klinik ab und die Wehen wurden am Weg in den Kreißsaal, durch die Ablenkung der Unterhaltung, etwas leichter. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt seit 72 Stunden Wehen. Der Muttermund war bereits 4 – 5cm geöffnet. Ich machte mir Wohlfühlambiente im Kreißsaal und anschließend schrieben wir das erste CTG im Stehen. Es blieb bei annehmbaren Wehen im 6-Min-Abstand und Dauer 1 Minute. Ich ging herum, in die tiefe Hocke, in den Vierfüßlerstand und bewegte mich ständig….vor allem auf die Toilette. Alle 20 Minuten wollte sich meine Blase entleeren. Und auch der Darm tat sein übriges. Ich empfand die Wehen auf der Toilette als sehr angenehm, da ich den Beckenboden super locker lassen konnte.

Ich hatte das Gefühl den Beginn und die Intensität einer Wehe mit guter Atmung und Position steuer zu können. So bemühte ich mich gute, wirksame Wehen zu produzieren. In den Wehenpausen konnte ich immer noch Gespräche führen, weshalb zwischendurch der Gedanke aufkam, ob das nicht doch ein Fehlalarm wäre. Dass man so lange zwischendurch noch quatschen kann, schien mir ungewöhnlich. Wir sprachen jedoch wenig, da dies zu längeren Wehenpausen führte. Drei Stunden später waren wir bei 6cm MuMu-Öffnung und Erschöpfung kam auf. Ich versuchte zu dösen, aber das Aufgewecktwerden durch die Wehen machte mich mürbe. Ich dachte nur, wie können mich diese Wehen nur so überpünktlich immer genau nach 6 Minuten wecken. Das brachte keine Erholung.

Und so stand ich nach 30 Minuten wieder auf und nahm eine heiße, dreißigminütige Dusche. Den Vorschlag meiner Hebamme mit der Wanne lehnte ich ab, aus Angst, dass die Wehen wieder ausbleiben würden. Obwohl die Vorstellung der warmen Wanne wirklich, wirklich verlockend war.
Als ich aus der Dusche kam, wollte ich nun nochmal einen Fortschritt wissen und wie tief das Köpfchen wäre. Immer noch 6cm aber das Köpfchen drückte schön. Das war trotzdem etwas demotivierend. Ich wollte nun die leichte, vorgeschlagene Muttermund-Massage, welche auch sehr angenehm war. Wir überlegten auch, die Fruchtblase zu öffnen, um etwas Schwung in die Sache zu bringen. Da das Köpfchen unserer Tochter allerdings noch nicht optimal gedreht war, lehnte ich dies ab und wir beschlossen ihr dafür noch Zeit zu geben.

1cm Muttermundsöffnung in 6 Stunden

Ich war nun also wieder kniehend am Boden hinter dem Pezziball oder einem Hocker, damit das Köpfchen schön auf den MuMu drücken konnte. Es ist mittlerweile 10 Uhr und ich spüre wie meine Kräfte schwinden. Ich bekomme Schüttelfrost und egal wie viel ich anziehe, mir ist kalt. Ein untrügerisches Zeichen für mich, dass mein Kreislauf aufgrund der Erschöpfung verrückt spielt. Ich bleibe dran, teile dies aber trotzdem meiner Hebamme mit. Um 11:30 Uhr entschließen wir uns nochmal nach dem MuMu zu schauen und kurz davor kommt schon Fruchtwasser bei den Wehen mit. Der MuMu ist bei 7cm (juhu in 6 Stunden 1 cm weiter *ironieaus*) und die Fruchtblase ist leicht offen. Trotzdem überwiegt die Freude über den Fortschritt. Nie war jemals die Rede von Geburtsstillstand.

Wir beschließen, die Fruchtblase bei der nächsten Wehe weiter zu öffnen. Diese Wehe ist megastark und dauert 2 Minuten. Jetzt merke ich eine deutliche Steigerung der Intensität. Von nun an war alles anders. Die Intensität in den Wehenspitzen überschreitet jegliche, meiner angenommenen Grenzen. Ab sofort sind Unterhaltungen in den Wehenpausen nicht mehr möglich.

Wie sich die Wehen jetzt anfühlen? Wie eine Mischung aus starken Darmkrämpfen, Regelschmerzen und dem Gefühl den Harndrang schon stundenlang zurückgehalten zu haben. In den Wehenspitzen kann man es nicht beschreiben….man verliert jeden Bezug und wechselt irgendwann in sein Instinkt-Reptilien-Gehirn. In den Wehenpausen ist man jedoch völlig schmerzfrei.

Der berühmte „Ich-kann-nicht-mehr-Punkt

Ich bin wieder auf den Kniehen hinter einem Hocker und mein Mann erkennt die Situation. War er bis jetzt entspannt auf dem „Gästebett“, setzt er sich zu mir auf den Boden und reicht mir die Hand zum Drücken. Das ist Gold wert und seine unmittelbare Nähe tat sehr gut. Die Wehenabstände wurden immer kürzer und die Intensität war unfassbar. Ich tönte aus vollster Kraft aber es brachte nichts mehr. Ich ließ es geschehen. Tränen flossen, ich schwitzte unaufhörlich und mein Mann gab mir immer wieder zu trinken. Er tönte wieder tiefer mit mir und half mir so locker zu bleiben. Ich war wie in Trance, konnte meinen Blick nicht mehr fokussieren und sah alles wie in einem Tunnel. Ich wischte den Schweiß über meinen Augen in die Hände meines Mannes und tönte in seinen kraftvollen Unterarm. Sah der verlockend aus. Ich wollte unter der Wehe so gerne hineinbeißen. Aber da schaltete sich doch mein Verstand ein und sagte mir, dass ich das nicht bringen könne.

Meine Hebamme machte mir einen Bachblütenmix mit Traubenzucker zu trinken. Nach 2 Stunden schrieh ich, keine Kraft mehr zu haben, nicht mehr zu können und wie lange es noch dauere. Ich dachte mir nur: „Verdammt, bei mir kommt dieser berühmte Punkt des Nicht-mehr-Könnens viel früher als bei allen anderen“. Wir hatten doch gelernt, dass dies ein untrügerisches Zeichen war, dass es der Austreibungsphase entgegen ging. So weit konnte ich noch nicht sein. Warum kann ich jetzt schon nicht mehr?

Doch zwei Wehen später verspürte ich tatsächlich leichten Pressdrang und wir waren wirklich bei 9cm Muttermundsöffnung. Meine Hebamme schlug vor, dass mein Mann sich auf den Gebärhocker setzte und ich davor in die tiefe Hocke ging und pressen sollte. So ging der MuMu mit 2 Wehen vollständig auf. Dabei merkte ich wie etwas Stuhl mitkam, was ich aber als Erleichterung empfand und die Hebamme sofort wegwischte. Ich wusste bereits zuvor, dass der Druck des kindlichen Köpfchens auf den Mastdarm dies auslösen konnte und so nahm ich es nicht als störend oder gar unangenehm war. Wieder zurück auf den Kniehen über einen Hocker gebeugt und ein Bein aufgestellt, begann ich mitzuschieben. Es war heftiger als alles zuvor. So eine Art von Schmerz hatte ich noch nie gefühlt. Meine Mutter hatte mir immer erzählt, wie erleichternd es für sie war, mitpressen zu können. Und so hatte ich während der letzten Stunden immer gedacht: „Ich muss es nur bis zu den Presswehen durchhalten, dann wird alles leichter!“ Nun ja, ich empfand es als noch intensiver als die Wehen zuvor.

In dieser Position schaffte ich es aber leider nicht, dass die Kleine gut nach unten kam, fühlte aber zur Motivation schon ihr Köpfchen tief in mir. Als ich meiner Hebamme sagte, es so nicht zu schaffen, schlug sie mir eine andere Postion vor. Auf dem Bett stützte ich meine Beine an meinem Mann (li) und meiner Hebamme (re) ab, sie reichten mir die Hände und ich schob sitzend bei jeder Wehe 3-4x kräftig nach unten und schaffte es noch über den stärksten Schmerz drüber zu schieben. Aber es tat so weh, dass ich schrieh: „Ich will diese Position nicht. Da muss sie an meinem Steißbein vorbei!“
Meine Hebamme sagte mir ganz ruhig: „Alexandra, Erika ist nicht optimal eingestellt und das ist die beste Position dafür. Ich verspreche dir, sobald der Kopf da ist, kannst du sie im Vierfüßler gebären“. Das holte mich zurück und ich konnte weitermachen. Ich merkte, dass ich richtig presste, als mir alle meine Gesichtszüge entglitten. Mein Mann und meine Hebamme motivierten mich und sagten mir, schon Erikas Köpfchen zu sehen. Es fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Der Tunnelblick war jetzt sehr stark ausgeprägt und ich hörte auch nur wie im Tunnel. Ich weiß noch, dass ich dachte: „Jetzt holt bestimmt gleich jemand die Saugglocke oder so.“ Nach der nächsten Wehe rief die Hebamme jedoch eine Ärztin an und sagte mir vorher, dass alles in Ordnung sei, aber routinemäßig eine Ärztin bei der Geburt anwesend sein müsse. Das Telefonat lautete: „Ich brauche bitte eine Ärztin für eine Geburt Zustand post Sectio (bedeutet: nach Kaiserschnitt). Ja, in einer oder einenhalb Minuten.“

Ich kam in meine Kraft

Als ich diese Zeitangabe hörte, kam ich in meine Kraft. Mit der nächsten Wehe schob ich Erikas Köpfchen zur Hälfte aus mir heraus, stellte die Beine ab und drückte es ganz heraus. Dann sagte meine Hebamme, dass ich kurz warten solle, weil sie die Kleine drehen müsse. Ich hielt es nur hechelnd aus, aber – gefühlt zu den letzten Stunden – war es nur ein kurzer Moment. Und mit der nächsten Wehe kam um 13:58 Uhr mit 3920g, 53cm und 36,5 KU unsere kleine Erika zur Welt und lag zufrieden murrend auf meinem Bauch. Sie war total entspannt und blickte mich an. Sie fühlte sich so weich und warm an und ich war auf Wolke 7. Mit einem Mal verschwand der Tunnelblick, ich war voll da und sog die Atmosphäre in mich auf. Unsere Hebamme versicherte mir, dass es Erika gut ginge und nicht alle Babys laut schreien. Wir kuschelten weiter bis die Nabelschnur ca. 30 Minuten später auspulsiert war und ich sie durchtrennte. Kurz darauf wurde die Plazenta geboren, welche wir uns interessiert ansahen. Von der Ankunft im Spital bis zur Geburt waren weitere 13 Stunden vergangen. Ich konnte es nicht fassen. Es war also kein Fehlalarm gewesen. Wir hatten es tatsächlich geschafft, was ich auch laut ausrief.

Wie fühlt man sich Minuten nach der Geburt? Es ist unbeschreiblich. Mit einem Mal sind alle Anstrengung und die Wehenarbeit vergessen. Man ist erfüllt von einem Hochgefühl, Stolz und einem Frieden der nicht zu beschreiben ist. Körperlich….hm, wie soll ich das beschreiben. Die ReiterInnen unter euch kennen das Gefühl nach der ersten Reitstunde. Wenn man suboptimal im Sattel gesessen hat und Schambein und Becken sich am nächsten Tag geprellt anfühlen. So in etwa war es bei mir. Wie überstrapazierte Knochen in der Schambeingegend und als wären meine Schenkel etwa 1 km von einander entfernt. Aber als Schmerz würde ich es nicht beschreiben.

Leider war Erika nicht optimal im Geburtskanal eingestellt und die Schultern etwas verkeilt gewesen, weshalb ich einen Dammriss 3. Grades mit Schließmuskeleinriss hatte. Das Nähen unter örtlicher Betäubung spürte ich kaum. Meine kleine Maus an meiner Brust sorgte für tolle Ablenkung. Auch die Tage danach waren nicht unbedingt dramatisch. Es verheilte alles sehr gut.

Was bleibt

Wunden heilen und Wunder bleiben für immer in unseren Herzen. Es war das unglaublichste, kraftvollste, wunderschönste und bewegendste, das ich je erlebt habe. Ich bin so voller Kraft, liebe meinen Mann noch mehr und bin ein völlig neuer Mensch. Als Frau bin ich nun endlich bei mir angekommen. Als Paar haben wir eine neue Sichtweise auf uns als Menschen bekommen und als Eltern wissen wir nun, was eine Geburtsreise bedeutet. Ich bin unendlich dankbar dafür, dieses Wunder erfahren haben zu dürfen. Eine Geburt ist lebensverändernd und sollte als Wandel von Frau zur Mutter niemals unterschätzt werden. Ich wünsche allen Frauen, dass sie eine so wunderschöne Geburt erleben dürfen.

Geburtsbericht Isabella (Lange Geburt, Lange Presswehen, Muttermundslippe)


Ich war gerade 37+4. Um 22:30 spürte ich ein Plop. Mein Partner hatte mir gerade die Füße massiert. Ich dachte mir schon bei der Massage, dass das heute ziemlich intensiv ist und im Bereich Gebärmutter zieht. Ich:“ was war das? Ne, war das ein Blasensprung?“ Einmal am Weg zur Toilette merkte ich schon wie Fruchtwasser abging. Es war warm und klar. Oh nein. Ich wollte doch noch nicht das die Maus auszieht. Ich wollte doch diese 16 Tage noch mit ihr im Bauch verbringen. Viel schlafen, mich vom Renovieren erholen und die letzte Zeit mit meiner Bauchmaus genießen. In Ruhe die Geburtshaustasche packen, Playlist machen... oh mann... Augenblicklich fing es mich an leicht im Rücken zu ziehen. Wie leichte Menstruationsbeschwerden. Mein Partner rief unsere Hebamme Rotraud an und berichtete ihr. Sie sprach ihre Freude aus fragte wie viel Fruchtwasser ca. abgegangen sei und sagte uns, dass Moni vorbei kommen würde, wie es im Vorfeld abgemacht war da sie gerade bei einer Geburt sei.

Wir packten die Geburtshaustasche. Ich war extrem zerstreut, oh Gott, nein, was wollte ich alles einpacken. Aja. Wenigstens hatte ich schon eine Liste geschrieben, ich lief herum wie ein aufgescheuchtes Huhn. Was natürlich alles andere als gut für die Wehenbildung ist. Alles musste mit. Die Geburtskerze, unsere Willowtree Figur (Mutter/Vater/Kind), ätherische Öl, unsere Entspannungs CD, welche wir viel in der Schwangerschaft gehört haben. Für mich war klar, morgen ist unser Wunder in unseren Armen. Ca 1 Stunde später war Moni schon da. Sie hörte nach den Herztöne unserer Tochter und tastete nach dem Muttermund. Alles bestens. Muttermund noch geschlossen. So fuhr Moni wieder mit der Info, wir sollen noch Kraft tanken. Ich ging noch kurz duschen. Mein Lebensgefährte fragte noch, ob er morgen arbeiten gehen soll. Ähhhhh, nein. *gg*

Wir legten uns dann ins Bett und ich bekam sogleich Wehen, welche ich noch gut veratmen konnte. Sie waren von Beginn regelmäßig alle 4-6 min und ca 60 Sekunden lang. Dieser Abstand blieb bis in die Morgenstunden (ca. 4 Uhr) recht gleich. Ich musste allerdings die Wehen dann schon anfangen zu vertönen, da sie schon recht intensiv waren. Ich hing mir mein TENS Gerät an den unteren Rücken an (transcutaner Strom) , da ich die Wehen sehr stark im Rücken spürte. So konnte ich die Muskulatur gut während den Wehen lockern und mich in den Wehenpausen wirklich gut entspannen und auch immer wieder wegdösen. In der Früh um 6:30 herum wurden die Wehen immer stärker und auch der Abstand verkürzte sich auf ca 3-4 Minuten. Es ging immer wieder etwas vom Schleimpfropf ab. Mein Lebensgefährte wachte auf und notierte ein paar Wehen. Wehe 60 Sek, Wehenpausen 40 Sek, Wehe 80 Sek, Wehenpausen 3 min, Wehe 40 sek, Wehenpausen 2 min...​ Noch sehr unregelmäßig. Es war aber noch für mich gut zu vertonen. Wir redeten und scherzten in den Wehenpausen. Zunehmend wurden die Wehen intensiver und ich musste mich auf mich konzentrieren. War in der Wehe ganz bei mir und der Bauchmaus.

Nun konnte ich nur noch in aufrechter Position und irgendwo angekrallt vertönen. Mal waren die Wehen schon so stark, dass ich Mühe hatte tief zu tönen. Der Abstand spielte sich bei ca alle 2 min mit 60 sek Wehe ein. Ich machte mir in den Wehenpausen einen Griesbrei und gönnte mir Löffel für Löffel. Viel konnte ich aber nicht essen. Um ca. 8 Uhr informierte mein Partner unsere Hebamme wie der Wehenabstand ist. Da ich in den Wehenpausen noch sprechen konnte, meinte sie ich solle mir ein Bad einlassen und in ca. 1 Stunde nochmal anrufen. In der Badewanne wurden die Wehenpausen länger und ich konnte mich gut entspannen. Kaum heraußen aus der Badewanne, traf mich jede Wehe mit einer Wucht, dass ich sie teilweise nur noch am Boden vertönen konnte. Mir liefen die Tränen hinunter, weil mich die Intensität mit einer Wucht übermannte und ich darauf nicht vorbereitet war.

Sie kamen jetzt teilweise unter 2 Minuten und waren ohne der Massage meines Lebensgefährten im Rücken schwer zu vertönen. Ich glaube mich wage daran erinnern zu können, dass das der Moment war wo ich in eine Art Trance gefallen bin und teilweise in den Pausen nicht mehr sprechen konnte sondern Kraft gesammelt habe und in meiner Welt war. Obwohl ich wusste, dass mich jede einzelne Wehe meinem Wunder näher bringt konnte ich mich nur schwer darauf einlassen, so überrollt zu werden von der Kraft der Wehen und der Notwendigkeit dieses Vorgangs.

Wir machten uns dann nach Absprache mit Rotraud langsam auf den Weg. 9:30? Von da an habe ich nur noch eine watteähnliche, verschwommene Erinnerung. Wie Nebel im Kopf. Ich weiß nicht mehr, wer die Haustüre versperrt hat und wie ich ins Auto gekommen bin. Scheinbar hat mich mein Partner auf den Rücksitz unseres Geländewagen gehievt. Im Nachhinein erfuhr ich, dass ich noch komplett selbstständig ging. Kann ich mich kaum erinnern.

Kaum im Auto angekommen bekam ich gleich eine ordentliche Wehe. Ich setzte mir meine Schlafmaske auf und kniete mich auf den Rücksitz mit Blick nach hinten und krallte mich an der Nackenstütze fest. Wir hatten eine ca. 1 stündige Fahrt vor uns. Mit viel Stop an Go und Stau. Im Auto wurden die Wehen immer stärker. Ich hatte teilweise schon so einen enormen Druck nach unten, dass ich glaubte ich hätte einen Pressdrang und unsere Maus müsste jetzt im Auto kommen :-) dem war natürlich nicht so. Ich denke, dass war die Anspannung im Beckenboden durch die Bewegung des Autos. Rückblickend gesehen habe ich zwar nicht viel mitbekommen, empfand die Fahrt aber als anstrengend. Sollte es ein Geschwisterl geben würde ich eine Hausgeburt vorziehen.(natürlich nicht nur aus diesem Grund)

Im Geburtshaus angekommen war ich erleichtert Rotraud zu sehen. Ich wollte wissen wie weit der Muttermund schon offen ist. Bei dem Druck und der Intensität müsste ich ja schon kurz vor der Austreibungsphase sein. *gg* Wir packten alles aus. Legten unsere Entspannungscd auf und entzunden die Geburtskerze . Ich wollte mir zu diesem Zeitpunkt nicht vorstellen, dass der Muttermund ev. "erst" bei 4 cm ist , da ich mir nicht ausmalen wollte, wie stark die Wehen eigentlich noch werden. Aber neugierig wie ich war, wollte ich es genau wissen und ja. Da waren wir bei 4 cm. Ich denke es wird so um 11 Uhr herum gewesen sein.

Herztöne kurz mit mobilen Gerät kontrolliert. Alles bestens. Das freute mich. Nur die 4 cm demotivierten mich :-) Ich dachte wir wären viel weiter. Ufff Rotraud sprach mir aber gut zu, dass 4 cm eh schon super sind und ich mich in der Wanne sicher gut entspannen kann.

Und das es halt einfach auch Zeit brauche. Ach. Das wollte ich gar nicht hören :-) ich kann etwas nicht kontrollieren sondern muss mich drauf einlassen und es einfach hinnehmen und geschehen lassen :-)

Ich wusste ja, dass der Muttermund nicht linear, konstant aufgeht. Trotzdem demotivierte es mich.

Nun ging ich in die Geburtswanne. Das Wasser war herrlich warm und ich war sofort entspannt. Ich liebe Wasser. Ich war so leicht, fast schwerelos. Der Positionswechsel zwischen Liegen in den Wehenpausen, im Wasser treiben lassen/ entspannen und Aufsetzen, angekrallt links am Griff der Wanne und rechts an der Hand meines Partners während den Wehen, war mühelos. Ich musste mich bei keinem Positionswechsel anstrengen, sondern mich einfach nur nach den Wehen zurücksinken lassen. Ich glaube ab und an bin ich sogar in den Wehenpausen eingenickt.

Die Wehen forderten mich nun schon gewaltig. Manche Wehen schaffte ich besser zu "reiten" und manche Wellen überrollten mich einfach gnadenlos. Nach diesen Wehen war ich oft verzweifelt. Ich konnte sie irgendwie nicht annehmen. Mir liefen die Tränen hinunter und ich wollte nicht mehr. Ich stellte mir immer wieder vor, wie sich mein Muttermund wie eine Blüte öffnet. Wie meine Atmung mit viel Sauerstoff, als weißes Licht durch den Mund, in die Lungen, über die Nabelschnur zu unserem Wunder gelangt und dann durch den Muttermund über die Vagina nach unten und außen strömt. Nur konnte ich diese Vorstellungen nicht bei den Wehen beibehalten. Vielleicht war es auch das was mich verzweifeln ließ.

Ich überlegte immer wieder in den Wehenpausen was unser Wunder benötigt um besser/schneller voran zu kommen.​ Aber schneller ist nicht besser. Sie und ich brauchten einfach die Zeit die wir brauchten, auch wenn mir das in dem Moment gar nicht gefiel. Ich wollte sie scheinbar noch nicht loslassen und musste mit jeder Zelle meines Körpers und meiner Psyche Abschied von ihr, als meine Bauchmaus nehmen.

Zudem konnte ich mal nichts "leisten" sondern nur geschehen lassen. So wie es ist, mit dem was es braucht.

Die Herztöne kontrollierte Rotraud in für mich genau den richtigen Abständen mit einem mobilen Gerät. Unserer Minimaus ging es immer gut. Kein Anzeichen von Stress. Rotraud versicherte mir immer wieder, dass es Schritt für Schritt weiter geht und sie Notiz davon genommen hat, dass ich eigentlich nicht mehr mag :-)

Ich registrierte zwar noch was da um mich herum passiert aber total in Trance und in meiner eigenen Welt. Ganz bei mir und meinem Wunder. Mein Partner streichelte mich unentwegt und hielt mir gegen, bei jeder einzelnen Wehe, was mir enorm half.

Er gab mir so viel Kraft und Halt. Nach der Geburt meinte er, er habe jetzt Schwimmhäute und einen Gehörsturz :-) Um ca 12:45 Uhr (glaube ich) schauten wir wieder nach dem Muttermund. 9 cm.

Allerdings hatte ich eine kleine Muttermundslippe. Rotraud gab mir Globuli für die Mumulippe. Ich bekam dann, glaube ich schon den ersten Pressdrang. Rotraud versuchte bei den kommenden Wehen die Lippe leicht zur reponieren damit das Köpfchen vorbei kann. So wirklich weiß ich jetzt nicht mehr wie lange wir das gemacht haben :-) Ich weiß nur, dass das Pressen für mich irgendwie eine Erleichterung war. Ich konnte was "tun". Witzig. Ich tat ja schon seit 24 Uhr des Vorabends :-) aber nun waren wir beim Pressen. Puhhhh. Der Druck war unbeschreiblich.

Ein Gefühl was man mit nichts vergleichen kann. Ich war noch immer in der Wanne. Nach und nach bekam ich laufend Krämpfe vom starken Verkeilen in der Wanne . Im Bein, Gesäß, Hüfte... Meine Euphorie über das Pressen verschwand dann allmählich. Ich hatte das Gefühl es geht nichts weiter. Ich äußerte immer wieder, dass ich nicht mehr könne. Ich wusste aber, dass ist nur mein Kopf. Mein Körper kann noch lange. Das sagte auch Rotraud.

Ich hatte teilweise schon Wehen dabei wo ich am liebsten nur schreien wollte. Was mich wieder motivierte alles zu geben und hinzunehmen, dass es mm für mm weiter geht und das Tempo ist, welches wir benötigen. Theoretisch. Praktisch hätte ich es doch schon gerne zu Ende gebracht. Aufgrund der ständigen Krämpfe war mir dann aber außerhalb des Wassers doch lieber.

Ich bin dann auf den Geburtshocker. Mein Partner hinter mich aufs Bett und reichte mir unter meinen Achseln seine Hände zum Halten. Rotraud kniete vor mir am Boden. Jetzt wurde der Druck wirklich heftig. Es fühlte sich sehr rau und wund an. Auch irgendwie spitz. Ich konnte ihr Köpfchen spüren, wie es mit jeder Wehe in den Geburtskanal geschoben wurde und in den Wehenpausen wieder zurück glitt. Wehe für Wehe. Köpfchen vor, Köpfchen zurück.

Ich fragte mich und auch Rotraud immer wieder wie lange das so geht. Aber natürlich können wir alle nicht hellsehen :-) Rotraud versicherte mir wieder, es geht Stück für Stück voran und alles ist genau so gut wie es ist. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor. Es war weit über meine Grenzen hinaus. In dieser Phase war ich hellwach. Ich bekam alles mit. Der Druck wurde immer größer und stärker und ich dachte mir nur, es gibt kein zurück. Ich muss jetzt mein Wunder unterstützen damit wir uns in die Arme nehmen können.

Der Kopf glitt nun nicht mehr zurück in den Wehenpausen, sondern blieb vorne. Ich spürte meine Kleine sogar bewegen in dieser Phase. Ich fragte ob das ok sei. Rotraud versicherte wieder mit einer Zuversicht, dass sich die Kleine jeden mm zu nutzen macht und sich den Weg sucht. Sie kontrolliert kurz die Herztöne. Alles bestens.

Rotraud meinte, in der tiefen Hocke von meinem Partner von hinten gehalten, hätten wir noch mehr Schwerkraft und der Druck wäre nicht so groß. Ich konnte den Kopf schon mit meinen Fingern fühlen. Sie hat Haare :-)

Nach dem Wechsel in die tiefe Hocke kann ich mich kaum noch erinnern. Mein Partner hielt mich von hinten unter den Achsel und ich versuchte den Hintern locker runterfallen zu lassen. Jetzt hatte ich keine Hände mehr zum Ankrallen bei den Wehen und so kam es, dass ich bei den glaube ich letzten Wehen meinen Unmut wirklich mit Wegschieben der Hände von Rotraud beantwortete. Ich hatte keine Lust mehr und der Schmerz überrollte mich. Ich nahm nochmal alle Kraft und Mut zusammen und presste und zum Ende der Wehe war sie da. Komplett draußen.

Um 16:13. Sophia. Unser Wunder. Da lag sie zwischen meinen Beinen. Sie war gräulich und etwas erschrocken aber doch ruhig.​ Rotraud löste die Nabelschnur, die wie Hosenträger über den Nacken und vorne über die Brust verlief. Sie legte schnell ein Handtuch über sie und wischte sie etwas im Gesicht ab. Sie hatte ein bisschen Käseschmiere im Gesicht. Dann fing sie an die Augen zu öffnen wurde schon rosig und begann ein bisschen zu quicken. Danach legte sie mir Rotraud schon in den Arm. Sie blickte an mir hoch und reagierte sofort auf Papas Stimme, der hinter mir saß und von oben auf uns herab sah. Ich hatte ein totales Gefühlschaos. Ich war überglücklich und zugleich verwirrt, dass sie jetzt da ist. Der Schmerz hat mich sehr gefordert, ich war wie benebelt und erschöpft, nach 18 Stunden Wehen und 3,5 Stunden Presswehen.

Das ist sie, unsere Tochter. Bis vor kurzen über 9 Monate in meinem Bauch. Und jetzt in meinem Arm. Nachdem die Nabelschnur, die übrigens sehr dick und kurz war, auspulsiert war, klemmte sie Rotraud ab und Papa durfte sie durchtrennen. Alle halfen mir vom Boden hoch ins Bett.

Sophia war immer noch ruhig und blickte an mir hoch. Sie war so warm und nass. Ihre Augen suchten unsere Stimmen. Es war ein magischer Moment den man mit nichts bisher erlebten vergleichen kann. Wir betrachteten ihren Körper, ihre wunderschönen Augen, ich fühlte ihre weiche, nasse Haut auf meiner. Rotraud untersuchte mich kurz ob etwas zu nähen war. Aber alles ok, nur Schürfwunden.

Jetzt war die Plazenta dran. Ich sollte auf eine Wehe warten und dann nochmal Pressen. Rotraud sagte, ich solle mich ganz auf unser Wunder konzentrieren und mit ihr in Verbindung bleiben. Tatsächlich war es nur ein wenig unangenehm.

Die Plazenta wurde im Ganzen geboren und Rotraud zeigte und erklärte uns wie sie im Bauch gelegen ist. Sie packte sie uns ein. Wir wollten sie mitnehmen. Durch sie wurde unser Wunder die komplette Schwangerschaft versorgt. Man sollte ihr genügend Respekt zollen. Erst mit ihr ist die Geburt abgeschlossen und alles komplett.


Wir kuschelten noch ein ganze Weile zu dritt und Rotraud half uns beim ersten Anlegen. Da ich schon in der Schwangerschaft Vormilch hatte war ich diesbezüglich sehr entspannt. Sophia wusste instinktiv was zu tun ist und war sehr geduldig. Ein wunderschöner Moment. Mein Partner lag neben mir und unsere Tochter in meinem Arm. Es entstand eine Verbindung zwischen uns Dreien, wie ich es mir nie vorstellen hätte können. 1 Stunden später waren wir schon am Heimweg.

Ein ganz besonderer Dank geht an meinen Lebensgefährten. Der mich in jeder Situation so genommen hat wie ich war, dort wo ich es nicht konnte. Der mich unheimlich unterstützt hat und mir eine enorme Kraft gegeben hat. Des Weiteren möchte ich einen riesen Danke an unsere Hebamme Rotraud aussprechen die uns so wohl vor der Geburt, bei der Geburt, als auch nach der Geburt mit einer Sicherheit und Zuversicht begleitet hat, die uns jegliche Sorgen und Ängste genommen hat. Ich kann nur jeder Frau raten sich durch eine Hebamme begleiten zu lassen. Ebenso möchte ich einen Dank an Isabella Ulrich aussprechen die mich mit ihrem Kurs instinctive birth, als auch mit ihrem Buch optimal auf die Geburt vorbereitet hat. Auch wenn ich ihr im Kurs nie glauben konnte, dass Geburt wirklich so ein Grenzgang ist. Auch noch ein Dankeschön an meine Schwester, über die ich zu Instinktiv birth gefunden habe und schon im Vorfeld mitbekommen habe, dass es wichtig ist, sich genau zu überlegen was man möchte und nicht möchte.


Rückblickend gesehen war die Geburt für mich eine absolute Grenzerfahrung. Ein gewaltiges Erlebnis, wodurch ich erfahren durfte wozu mein Körper im Stande ist. Gleichzeitig war es das schönste Erlebnis meines Lebens. Man durchläuft Phasen und Veränderungen seiner Persönlichkeit im Laufe der Geburt. Vorfreude und Aufregung , absolute Verzweiflung, Hoffnung und Mut, Güte, Urvertrauen, Angst, Zuversicht, Verweigerung und die absolute Auf- bzw. Hingabe. Ich wünsche jeder Frau das Erlebnis einer interventionsfrein, schmerzmittelfreien, natürlichen Spontangeburt. Ich fand durch die mächtige Geburt zu einer ursprünglichen weiblichen Kraft, welche durch keine andere Erfahrung des Lebens hervor zu rufen ist. Ein Friede mit mir und meinem Körper und eine absolute Lebensverbindung mit meinem Kind und meinem Lebensgefährten. Danke dafür!