Diese Rubrik widme ich den wunderschönen und mitreißenden Geburtsberichten von Frauen, welche eine selbstbestimmte Geburt erleben duften und diese mit uns teilen wollen.

Die Berichte sollen Schwangeren Kraft, Mut und Zuversicht geben, dass die Geburt zwar jeder Mutter alles abverlangt, jedoch mit ihrer mächtigen weiblichen Kraft in Verbindung geht und ein neues ICH entsteht. Die Mutter in uns allen!

Wenn ihr einen Geburtsbericht habt den ihr gerne mit anderen Teilen wollt sendet ihn an: office@storchenbox.at

Es sind auch Geburtsberichte aus Sicht des Papas herzlich willkommen.

Die Geburt von Noah Leonard am Freitag, den 26.10.2018

Noah kam am Freitag, den 26.10.2018 um 18:16 bei uns zu Hause auf die Welt - genau eine Woche vor seinem errechneten Termin. Ich wünsche euch viel Freude beim Lesen und hoffe, dadurch für die ein oder andere Frau eine Inspiration dahingehend zu sein, mehr Natürlichkeit und Urvertrauen in sein eigenes Leben und die eigene Schwangerschaft zu lassen.

Eine Schwangerschaft ohne Arzt, ohne überflüssige Untersuchungen, einfach nur schwanger sein, verbunden mit dem eigenen Körper und dem kleinen Leben in mir, begleitet von den wundervollsten Hebammen, die ich mir wünschen konnte, Gabriele und Jella. Als ich den positiven Schwangerschaftstest in der Hand hielt, war mir gleich klar, dass ich nicht bei einem Frauenarzt anrufe, sondern in der Hebammenpraxis für Hausgeburtshilfe in Hamburg. Ich wollte mich nicht in die Untersuchungs- und Angstspirale begeben, die in der klassischen Geburtsmedizin leider vorherrscht. Ich wollte einfach nur schwanger sein...

Ich war während der gesamten Schwangerschaft nicht ein einziges Mal beim Frauenarzt, ebenfalls habe keine einzige Ultraschalluntersuchung machen lassen. Die Herztöne unseres kleinen Wunders wurden das erste Mal in der 16. Schwangerschaftswoche (SSW) mit dem Hörrohr meiner Hebamme gehört. Ich brauchte diese Bestätigung nicht schon in der 8. SSW per Ultraschall, ich war mir ganz sicher, dass sich das kleine Wesen prächtig entwickelt und das Herzchen schlägt...

Das soll jetzt nicht wie ein Wettbewerb oder Erfolg klingen. Wenn es eine Indikation gegeben hätte, hätte ich dies mit meinen Hebammen besprochen und wäre ggf. selbstverständlich zu einem entsprechenden Arzt gegangen. Diese Schwangerschaft hat mich verändert. Ich habe mich weiterentwickelt, bin emotional gereift und auf eine Art weicher geworden, die ich vorher nicht kannte.

Ich denke anders über das Leben und möchte mein Leben auch anders gestalten als zuvor. Weniger Konsum, mehr Langsamkeit, mehr Natur, mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge. Nun soll es hier aber nicht weiter um meine Lebensphilosophie gehen, sondern um meinen Geburtsbericht...

Am Donnerstag ging ich von der Reinigung nach Hause und fragte mich währenddessen, ob ich die Sachen in ein paar Tagen wohl noch selbst abholen würde. Der Tag verlief unspektakulär, ich ging früh ins Bett und schlief schnell ein. Um 2:30 nachts wachte ich auf und hatte Durst. Da ich kein Wasser mehr am Bett hatte, ging ich in die Küche und schenkte mir dort ein Glas Wasser ein.

In dem Moment lief ein kleines Rinnsal mein Bein herunter und ich dachte „Oh je..! Ist das jetzt die Fruchtblase oder bin ich auf den letzten Zügen doch noch inkontinent geworden…?“ Ich ging auf die Toilette und als ich wieder aufstehen wollte, lief erneut etwas Flüssigkeit in meinen Schlüpfer. Also dachte ich: „Alles klar, das wird dann wohl ein hoher Blasensprung sein.“

Ich war aufgeregt, freut mich und dachte bei mir „Jetzt geht also unsere Reise los! Nicht mehr lange und ich werde mein kleines Wunder endlich sehen.“ Der Gedanke kam mir noch so abstrakt vor... Schlafen konnte ich ab dem Zeitpunkt nicht mehr, also ging ich ins Wohnzimmer, legte mich aufs Sofa und lenkte mich mit YouTube ab. Thomas, meinen Mann, wollte ich noch nicht wecken, da ich zu dem Zeitpunkt noch der Meinung war, es würde bestimmt bis Samstag dauern, ehe unsere kleine Maus da wäre. Ich lag also auf dem Sofa und dachte darüber nach, dass es schon gut wäre, wenn ich bald die ersten Wehen bekäme. Ich hatte nämlich gar keine Lust, nur wegen eines Blasenrisses ins Krankenhaus zu müssen... Während ich das dachte, spürte ich ein leichtes Ziehen.

Ich freute mich! War das wohl eine Wehe…? Gut, einfach weiter abwarten. Zehn Minuten später kam das Ziehen wieder… Ich freute mich erneut und über dem Gedanken bin ich sogar noch einmal eingenickt. Gegen 5 Uhr morgens hatte ich etwa alle 10 bis 8 Minuten Wehen, um 6 Uhr ging ich ins Schlafzimmer zu meinem Mann Thomas und verkündete ihm freudig, dass sich unser Baby auf dem Weg zu uns befände, er aber ruhig noch zur Arbeit gehen könne. Es würde sicher Samstag werden bis es da wäre.

Von meiner Idee, noch zur Arbeit zu gehen, war Thomas nicht sonderlich begeistert. Er wollte lieber zu Hause bei mir bleiben und schrieb daraufhin seinem Chef eine Mail. Zusammen legten wir uns noch etwas ins Bett, die Wehen kamen dann schon circa alle 6 Minuten, in den Pausen döste ich immer wieder ein... Irgendwann standen wir auf, Thomas wollte noch ein wenig von Zuhause aus arbeiten und ich hatte das dringende Bedürfnis, die Wohnung aufzuräumen. Vorsichtshalber schrieb ich meiner Hebamme eine Mail und informierte sie über den aktuellen Stand. 45 Minuten später telefonierten wir und vereinbarten, dass ich mich melden würde, wenn ich sie bräuchte.

Sie wollte alle Termine für den Tag absagen, was mir ein wirklich schlechtes Gewissen machte, weil ich fest davon überzeugt war, dass es noch länger dauern würde. Thomas ging noch zum Bäcker, um etwas Nervennahrung zu holen und parkte das Auto dichter ans Haus - nur für alle Fälle. Ich veratmete meine Wellen stehend, entweder im Badezimmer oder am Wickeltisch. Liegen oder sitzen mochte ich gar nicht, die Wehen waren aber wirklich gut auszuhalten und ich konnte sie wunderbar weg atmen. Gegen 11 Uhr fing Thomas an, den Pool aufzubauen. Ich hatte richtig Lust auf das warme Wasser und so saß ich um circa 12 Uhr drinnen und war sehr glücklich, die Wehen im Wasser veratmen zu können.

Die Abstände der Wehen wurden jetzt schon kürzer und kamen etwa alle 3-4 min. Bei jeder Wehe kniete Thomas vor dem Pool und ich stützte mich an ihm ab. Mittlerweile musste ich die Wehen vertönen, sie waren aber immer noch sehr gut zu verarbeiten. Zwischendurch ging ich immer mal wieder auf die Toilette, war aber jedes Mal wieder froh, mich wieder in das warme Wasser legen zu können. Thomas fragte mich zwischendurch ab und an, ob ich nicht Gabriele Bescheid sagen wolle, damit sie vorbeikommen könne. Aber ich fühlte mich pudelwohl wie es war: ich kam gut mit den Wehen zurecht und war immer noch der Meinung, es würde noch sehr lange dauern...

Einige Zeit später wurden die Wehen intensiver, ich musste mich nun wirklich konzentrieren, sie zu vertönen. Mittlerweile kamen sie etwa alle 3 Minuten. Es war wirklich eine etwas verrückte Situation: In den Wehenpausen dachte ich „Eigentlich bin ich nur eine Schwangere Frau in einem Pool im Wohnzimmer, die fröhlich vor sich hin planscht“. Nach einer doch recht intensiven Wehe gegen 15:00 Uhr, fragte Thomas mich erneut, ob wir jetzt nicht Gabriele anrufen wollen. „Gut, mal anrufen kann ja nicht schaden“, sagte ich. Wir sprachen kurz und ich war mir wirklich unsicher, ob ich sie schon bräuchte. Es ging mir gut, ich hatte regelmäßig Wehen, mit denen ich gut zurecht kam und ich fühlte mich wohl. Außerdem wollte ich sie auf keinen Fall zu früh rufen. Gabriele hörte dann über das Telefon eine Wehe mit und meinte, sie käme einfach mal vorbei.

Um 15:45 Uhr war sie dann da. Ich habe mich wirklich gefreut, sie zu sehen und war in dem Moment doch sehr froh, dass sie da war. Es hat sich genau richtig angefühlt. Sie legte ihre Hand auf meinen Rücken und fragte wie es mir geht und ob ich Noah spüre. Irgendwie gab mir das sofort ein sicheres und geborgenes Gefühl. Anschließend hörte sie die Noahs Herztöne ab. Ihm ging es sehr gut, sein Herzchen schlug schön kräftig und gleichmäßig. Im Geburtsgespräch nach der Geburt erfuhr ich von Gabriele, dass sie alle 15 Minuten Noahs Herztöne abgehört hatte. Während der Geburt hatte ich allerdings den Eindruck, die Abstände wären deutlich länger gewesen. Ich veratmete noch einige Wehen im Pool als Gabriele mich fragte, wann ich zuletzt auf der Toilette gewesen sei und ob ich mal müsste.

Außerdem schlug sie vor, mal ein paar Wehen an Land zu veratmen. Das mit dem Toilettenbesuch hielt ich für eine gute Idee, denn ich musste wirklich mal. Anschließend blieb ich im Bad an unserer hohen Kommode stehen und kreiste mein Becken unter den Wehen. Das funktionierte richtig gut bis eine so heftige Wehe kam, die ich mich wörtlich in die Knie zwang. Ich musste mich an der Badewanne und der Toilette abstützen, um sie zu verarbeiten. Danach wollte ich ganz dringend wieder ins Wasser. Gabriele fragte mich, ob sie mich mal untersuchen dürfe. Damit war ich einverstanden und so setzte ich mich auf den Gebärhocker, den sie vor dem Sofa aufgebaut hatte. Während der Untersuchung saß Thomas hinter mir. Sie tastete vorsichtig und teilte mir mit, das Köpfchen wäre schon sehr weit nach unten gerutscht, dadurch könne sie nicht gut fühlen wie viele Zentimeter der Muttermund geöffnet sei.

Es wäre aber schon ein ganzes Stück der Arbeit geschafft! Über diese Aussage habe ich mich in dem Moment so richtig gefreut! Dadurch war ich richtig motiviert, so schön weiterzumachen! Im Nachhinein erzählte mir Gabriele, dass sie zu dem Zeitpunkt natürlich wusste, wie weit mein Muttermund geöffnet war: es waren wohl circa fünf Zentimeter. Sie erzählte mir aber auch, dass sie diese Zahl unter der Geburt gerne umschreibe, da die werdenden Mütter durch diese Umformulierung viel motivierter blieben. In meinem Fall hatte sie jedenfalls tatsächlich Recht behalten!

Durch ihre Umschreibung habe ich mich nicht an einer Zahl festgehalten, sondern war richtig motiviert, weiterzumachen, da ich ja offensichtlich schon ein ganzes Stück geschafft hatte! Letzten Endes waren es diese und so viele andere Kleinigkeiten, die so viel ausmachten und die zu dieser wunderschönen und entspannten Geburt beigetragen haben. Kurz danach schlug Gabriele den Vierfüßler-Stand vor. Ich sollte ihn mal ausprobieren und sehen, wie ich mich damit fühlte. Gesagt, getan, da ich während der Schwangerschaft oft gedachte hatte, das wäre bestimmt eine großartige Position, um Wehen zu veratmen. Bei der nächste Wehe stellte sich allerdings sofort heraus, dass die Vorstellung besser gewesen war als die praktische Umsetzung – ich fühlte mich einfach nur unwohl dabei.

Die nächste Wehe veratmete ich deshalb vor Gabriele kniend und umfasste dabei ihre Taille. Das fühlte sich zwar schon besser an und vor allem sehr geborgen, aber ich wollte wieder ins Wasser. Gabriele meinte noch, ich solle mich im Wasser nicht vor den Wehen verstecken. Daraufhin antwortete ich ihr: „Nur ein bisschen verstecken bitte…“ :-) So lag ich wieder im warmen Wasser auf der Seite und fragte Gabriele doch allen Ernstes eine Weile später, ob das auch kein Fehlalarm sei und ob es nun wirklich nicht mehr lange dauere.

Rückblickend ist es echt lustig auf was man für Ideen unter der Geburt kommt, denn ich stand zu dem Zeitpunkt kurz vor den Presswehen. Gabriele hatte dann einige Mühe mich davon zu überzeugen, von der Seitenlage im Pool in eine hockende Position zu kommen. Das war wirklich anstrengend und unter den Wehen rief ich oft „Krass, das ist so intensiv!!“. Ich veratmete mittlerweile meine Wehen sehr laut mit tiefen Tönen und versuchte dabei immer, meinen Mund zu entspannen und nicht zu verkrampfen.

Im Schwangeren-Yoga hatte ich gelernt, dass der Mund und der Muttermund zusammengehören und man deshalb während der Geburt das Gesicht entspannen sollte. Ich hockte jetzt also im Pool mit einem aufgestellten Bein. Ich glaube, es war das rechte. Unter den Wehen hing ich mich in Thomas Armen, dabei saß er vor dem Pool und hängte sich über den Rand. Das muss auf Dauer ziemlich unbequem gewesen sein. Er hat mich während der gesamten Geburt so klasse begleitet, dafür bin ich ihm so unendlich dankbar! Die Wehen in der Übergangsphase zu den Presswehen waren unglaublich intensiv. Ich hatte einen unfassbar starken Druck nach unten. Und auf einmal fingen die Presswehen an! Dieses Gefühl ist unbeschreiblich. Man kann wirklich nichts anderes tun als mit diese Wehen zu pressen und zu schieben. Diesen Pressdrang einfach weg zu atmen hätte ich nicht geschafft! Zwischendurch schlug Gabriele vor, mal mit meiner eigenen Hand nach unten zu greifen, um zu tasten und fühlen, ob ich selber das Köpfchen schon spüren könnte.

Ich tastete und fühlte etwas Weiches und während der nächsten Presswehe konnte ich auch genau fühlen, wie das Köpfchen weiter herunter kam, immer ein Stückchen mehr. Und in der Wehenpause rutschte das Köpfchen wieder ein kleines Stückchen zurück. Auch das war ein wunderschönes Gefühl und unglaublich motivierend. Wie viele Presswehen es letztlich waren, kann ich nicht mehr genau sage. Aber es hat schon eine Weile gedauert und Noah musste seinen Kopf ganz schön zusammen falten :-D

Mit 37 Zentimetern Kopfumfang mussten wir beide ganz schön arbeiten! Kurz bevor der Kopf geboren wurde, rief ich unter einer Wehe „Ich geh kaputt“! Ich hatte ein ziehendbrennendes Gefühl, aber Gabriele beruhigte mich sofort und versicherte mir, dass nichts Schlimmes passieren würde und mit der nächsten Wehe kam dann schon Noahs Köpfchen..! Das war ein unglaublicher Moment mit einem unglaublich starken Dehnungsgefühl! Danach hat mein Körper mir erst mal eine Pause gegönnt und es hat für mich eine gefühlte Ewigkeit gedauert bis Noah die Viertel-Drehung gemacht hat und er mit der nächsten Presswehe ganz geboren war.

Auch dieses Gefühl ist unbeschreiblich! Für mich fühlte es sich wie ein kleiner Fisch an, der sich in einem bewegt. Da schwamm er nun im Wasser, unser kleines Wunder…! Ich kniete mich zu ihm hin, hob ihn aus dem Wasser und drückte ihn an mich. Jetzt wussten wir auch endlich, dass es ein kleiner Junge war. Thomas zog sein T-Shirt aus und Gabriele legte es um Noah, damit er auch gleich den Geruch von seinem Papa wahrnehmen konnte. Ich lehnte mich gegen die Poolwand und schaute unser kleines Wunder glücklich und erschöpft an. Dieser Moment war so unglaublich schön. Noah erzählte sehr lautstark und lange von seiner Geburtsreise.

Nachdem er sich beruhigt hatte, halfen Thomas und Gabriele mir aus dem Pool und begleiteten mich mit Noah auf dem Arm auf den Gebärhocker, auf dem ich dann die Plazenta bekam. Anschließend legte ich mich mit Noah auf das Sofa. Gabriele zeigte uns ganz genau die Plazenta und Eihäute, in denen Noah die letzten zehn Monate gelegen hatte. Ich fand es richtig toll, mit welcher Wertschätzung Gabriele uns die Plazenta nähergebracht hat. Wahnsinn, was dieses Organ während der Schwangerschaft geleistet hat!

Einfach wegwerfen konnte ich sie deshalb auch nicht, weswegen sie jetzt bei uns im Gefrierfach liegt und darauf wartet, unter einem Baum vergraben zu werden. :) Noah fing, nachdem wir auf dem Sofa lagen, direkt an, nach der Brust zu suchen und Gabriele half mir, ihn richtig anzulegen. Das war nämlich gar nicht so einfach für mich als frischgebackene Mama, die das in ihrem Leben zuvor noch nie gemacht hatte. Wirklich überrascht hat mich dann auch die Intensität, mit der dieser kleine Mensch direkt anfing, zu saugen!

Ein ganz unbekanntes, aber sehr schönes Gefühl. Die ganze Geburt über hatte ich nicht mitbekommen, dass Gabriele an diesem Tag noch eine andere Geburt hatte, zu der eine Kollegin gefahren war. Dort wollte sie nun auch kurz nach dem Rechten schauen und fragte uns deshalb, ob es in Ordnung wäre, wenn sie jetzt schnell zur anderen Neu-Mama führe, danach aber wieder käme, um die U1 zu machen und mich zu untersuchen. Das war kein Problem für uns. Ich lag auf dem Sofa und war einfach damit beschäftigt, die überwältigenden Erfahrungen und Gefühlen der letzten Stunden, zu verarbeiten. Nach einer für mich empfundenen kurzen Weile war Gabriele schon wieder da. Thomas schnitt dann Noahs Nabelschnur durch und wir banden unser schönes Nabelschnur-Bändchen drumherum.

Noah war 3700 g schwer und 51 Zentimeter groß und hatte einen Kopfumfang von 37cm. Rückblickend stelle ich fest, dass ich mir eine Geburt viel schmerzhafter und anstrengender vorgestellt habe. Ich kann Noahs Geburt wirklich nicht als schmerzhaft bezeichnen. Es war irre anstrengend, das Dehnungsgefühl und der Druck waren wirklich intensiv, aber nicht schmerzhaft.

Erst im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass ich die ganze Geburt über kein einziges Mal über ein Schmerzmittel nachgedacht habe. Wir verlebten ein sehr schönes und entspanntes Wochenbett, mittlerweile ist es schon Mai und Noah bald sieben Monate alt. Ich habe nun fast 7 Monate gebraucht, um diesen Bericht zu Ende zu schreiben. Aber ich wollte mir bewusst Zeit dafür nehmen, denn genau das lehrt mich Noah und noch ganz viele andere Dinge. Alles braucht nun seine Zeit, viel mehr als vorher.

Aber das ist in Ordnung, denn man erlebt alles viel intensiver und lernt jeden Tag etwas Neues. Durch die Art und Weise, wie dieses kleine Wunderwesen seine Welt wahrnimmt, ändere ich selbst meine Sicht der Dinge und lerne meine eigentlich mir bekannte Welt noch einmal ganz neu kennen. Ich freue mich auf das Leben mit Noah und auf die kommenden Geburten seiner Geschwister. Liebe Grüße Jana

Geburtsbericht Julia:

Mein Hausgeburtsbericht... Heute möchte ich euch von meiner Traumgeburt am 5.3.19 erzählen. Da ich im März 2017 meinen Sohn im Krankenhaus mit allem typischen Eingriffen, Dammschnitt, Saugglocke, kristellergriff, Rückenlage,Dauer-CTG etc. zur Welt brachte, wollte ich diesmal alles anders machen. Ich wollte mein Kind selbst auf die Welt bringen und es mir nicht raus ziehen und drücken lassen. Daher war schon früh klar, dass ich unser nächstes Kind im Geburtshaus entbinden möchte. Die Vorsorge wurde bis auf die 3 Screenings alle im Geburtshaus von meiner Hebamme gemacht. In der 35.woche hatte ich plötzlich einen Geistesblitz und ab diesen Moment wollte ich einfach nichts mehr, als zuhause entbinden. Mein Mann war anfangs ein wenig skeptisch, aber da er wusste dass er gegen meinen sturkopf nicht ankommt, unterstützte er mich ziemlich bald bei meiner Entscheidung... durch den Film „die sichere Geburt“ und einem hypnobirthing Buch konnte ich ihm und auch mir selbst immer mehr Vertrauen schenken. Natürlich hatte ich im Hinterkopf immer noch diese Gedanken, was ist wenn es diesmal wieder nicht alleine klappt, und ich wieder eine saugglocke brauche. Natürlich kamen auch die Kommentare der Außenstehenden. Nach einem Gespräch mit einem Mentalcoach bekam ich noch ein wenig mehr vertrauen zu mir und zu meinem Körper... Nach einer Woche nach ET war es dann endlich so weit.. morgens nach dem aufstehen um 7.00 Uhr kamen alle 10 min leichte Mini wehen und ich wusste dass es heute noch soweit sein wird. Die wehen kamen regelmäßig jedoch sehr harmlos. Wir gingen noch in die Dusche, haben mit unserem großen noch gemütlich gefrühstückt bevor ihn die Oma abgeholt hat.. der kleine war weg und ich hab erst mal mein dampfblumenbad gemacht. Danach waren die wehenabstände bei 6 min, hab dabei aber noch die Wohnung geputzt... dann hatte ich das Gefühl ich müsse mich nochmal etwas ausruhen. Die wehen kamen im Liegen nur alle 8 min und ich habe zwischen den wehen geschlafen. Dann rief meine Hebamme an, ob noch alles gut ist und ob sie noch mit dem Hund ne runde gehen kann. Ich gab Entwarnung, und sie meinte auch, dass es warscheinlich erst heute Nacht soweit sein wird. Ich legte auf, stand zur Toilette auf, und plötzlich platzte die fruchtblase und die wehen fingen plötzlich im 1 min Abstand an und zwar richtig heftig. Ich rief schnell die Hebamme an, und sie sagte dass sie sofort los fährt, da sie ca 35 min braucht. Nach 15 min bekam ich den Drang auf die Toilette zu müssen, ging aufs Klo, und dort stand ich nur noch am Waschbecken und bemerkte dass der Drang zu pressen immer mehr wurde. Habe es jedoch noch etwas verdrängt, da die Hebamme noch nicht da war. Es wurde immer heftiger. Ich schrie meinem Mann er solle die Handtücher bringen weil das Kind kommt... von ihm bekam ich dann erst mal Ärger, ob ich denn mein Kind auf der Toilette bekommen möchte...🙈 typisch überforderter Mann 😆 Dann kam auch schon die Hebamme und eine Schülerin zur Tür herein, stürmten ins Wohnzimmer, holten mich zu sich, ja und dann ging das pressen los. Mein Mann saß auf der Couch und ich in der Hocke vor ihm. Die Hebamme wollte dass ich meine Hand während des Pressens unten hin hebe um zu spüren wie fest ich drücken muss. 3 wehen später, hatte ich den Kopf unserer Maus in meiner Hand. Ein Stein fiel von meinem Herzen. Ich sah meinem Mann in die Augen und säufzte nur, dass ich es ganz allein geschafft habe. Ich war so erleichtert... eine weitere wehe später glitt unser Baby zu Boden. Die Hebamme rubbelte es mit einem warmen Handtuch ab, und ich hob es als erste Person vom Boden auf und drückte es an mich... erst da erfuhren wir, dass wir ein kleines Mädchen bekommen haben. Wir legten uns auf die Couch und erholten uns erst mal. Die Plazenta wurde ca 15 min später geboren und blieb ca 1,5 Std an meiner kleinen dran. Nach ca 30 min kamen die ersten saugversuche an meiner Brust. Die Hebamme saß gemütlich neben uns auf der Couch, machte dann erst mal Brotzeit und ließ uns einfach in Ruhe... erst 3 Std später wurde die U1 gemacht... meine Mama kam dann auch, und brachte den großen, der ganz erstaunt über sein Schwesterlein war. Die Hebamme verabschiedete sich und wir gingen ins Bett und schliefen ein... Es war einfach eine absolute traumgeburt, es war alles so perfekt und hätte nicht besser sein können. Ich bin so froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe und bereue es im Nachhinein dass ich es nicht schom beim ersten gemacht habe... meine kleine hatte 1 kg mehr und 2 cm KU mehr als mein großer und trotzdem keine einzige Geburtsverletzung obwohl ich beim ersten geschnitten wurde. Mädls, was ich noch sagen will, traut euch und eurem Körper einfach mehr zu als ihr glaubt... er weiß was er zu tun hat und euer Baby auch....

Geburtsbericht Theresa:

Dienstag Abend war mein Mann noch auf einer Vorstandssitzung und ich habe, teils aus Frust, warum sich unser Baby (heute bei 41+1) immer noch nicht auf den Weg gemacht hat, und teils aus Schwangerschaftsgelüsten, eine ganze Packung Chips gegessen. Und das, obwohl ich die beim letzten Mal nicht so gut vertragen habe; das ist aber schon über ein Jahr her. Aber egal - ich hatte Lust darauf! Kaum hatte ich alles aufgegessen und mein Mann war wieder da, rumorte es in meinem Bauch. Der Kleine fand wohl knuspriges Essen nicht so toll. Verständlich - ist ja auch sau laut im Bauch!

Da ich eh noch in die Badewanne wollte, war das eine gute Gelegenheit, meinen Bauch etwas zu entspannen und dann sind wir ins Bett gegangen und sind aneinander gekuschelt eingeschlafen. Sex gab es jetzt nicht mehr - hat bei den letzten Malen auch keine Wehen ausgelöst (so wie alles andere was ich als "überfällige Bald-Mami" alles ausprobiert hatte). Also: Scheiß drauf, der Kleine kommt dann raus, wenn er bereit ist.

1 Uhr Nachts - der übliche Toilettengang mitten in der Nacht, an den ich mich schon gewöhnt habe. Ich bin wieder ins Bett gegangen.
2 Uhr Nachts - Ohjeh.. mein Darm fand die Chips wirklich genau so doof wie das letzte Mal als ich sie gegessen habe (an das ich mich nun wieder seeeehr gut erinnere). Ich gehe schlaftrunken aufs Klo und befürchte, dass ich diese Chips noch echt verfluchen werde! Mh aber Moment.. irgendwie ist da noch etwas, was nicht wirklich was mit "nur Durchfall" zu tun hat.. ein richtiges Ziehen, als würde ich ganz heftig meine Periode bekommen. Ein bisschen so wie übungswellen.. aber die Welle haut nicht wieder ab - und so überkommt mich, auf der Toilette sitzend und dem Durchfall nachgebend, die erste Welle. Ich bin mir gerade nicht ganz sicher, ob ich das nun richtig interpretiere oder ob das nur meine Einbildung war wegen meiner Schlaftrunkenheit und dem Wunsch, dass es endlich los gehen soll. So mache ich mich erstmal sauber. Da bemerke ich nun, dass ich Blut auf dem Papier habe.. oh nein! Ist das von hinten oder von vorne? (Hinten wäre auch eine Möglichkeit, hatte vor zwei Tagen schon einmal Durchfall und da war ich vom Toilettenpapier recht wund). Ich habe nicht aufgepasst, weil ich eigentlich gleich wieder ins Bett wollte. Glücklicherweise hatte ich das Licht im Bad angemacht, was ich normalerweise in der Nacht nie mache. So schaue ich nochmal nach und sehe, dass es definitiv von vorne ist und sich wohl auch der Schleimpropf gelöst hat. Zum Glück ist da Schleim dabei und es ist nicht so viel Blut, sonst müssten wir wohl jetzt mitten in der Nacht die Hebamme rufen bzw. wegen einer eventuellen Plazentaablösung ins Krankenhaus (meine größte Angst bisher). Nun gut, dann mache ich mich nun sauber und gehe wieder ins Bett. Kann ja noch ewig dauern, bis die Wellen regelmäßig kommen und das mal "richtig" los geht. - Denke ich mir.

Ich schaue auf die Uhr und schlafe wieder ein, bis mich wieder ein Ziehen von unten nach oben überkommt und ich, immer noch schlaftrunken, ein "oh scheiße!" denke, die Beine anziehe, die Luft anhalte und die Welle einfach nur aushalte. Ich stöhne vor Erleichterung auf, als ich merke, dass die Welle vorbei ist. Ich schaue auf die Uhr am Handy und bin sofort hellwach, es sind nur 5 Minuten vergangen, seitdem ich das letzte Mal drauf geschaut habe. Oh, es geht loooos! Man, wie ich mich freue! Aber Moment, dann kommen ja jetzt noch ganz viele solche Wellen! Wie soll ich das aushalten? Mh, dann muss ich jetzt echt die Wellenatmung ausprobieren und mich entspannen, weil Luft anhalten und mich verkrampfen wie gerade eben ist genau das Falsche, was man machen kann, denke ich mir. Ich mache die Regenbogenentspannung auf den Handy an, Ohrstöpsel rein und während ich mich wieder hinlege, merke ich wie die nächste Welle anrollt. Oh nein, ich bin doch noch gar nicht entspannt und der Druck auf meinem Darm ist jetzt auch nicht geade förderlich, um mich zu entspannen. Aber okay.. tiiiiiiieef und laaaaaangsam in den Bauch einatmen. Welle vorbei. Okay, geht ja einigermaίen und war besser als die davor. Ich stöpsel mich von den Kopfhörern aus und gehe aufs Klo... Mein Darm merkt wohl, dass ich da unten bald mehr Platz brauche. Es ist beim Abwischen auch wieder rosa Schleim bzw. etwas Blut dabei, so wie nun bei allen weiteren Klogängen. Ich gehe wieder ins Bett und überlege mir, meinen Mann aufzuwecken. Aber es ist ja noch so früh - die nächsten Nächte werden kurz, also lasse ich ihn schlafen. Kaum im Bett und die Ohrstöbsel wieder drinnen, kommt die nächste Welle. Irgendwie kommen mir die Abstände echt kurz vor, bei der nächsten Pause installiere ich noch mal schnell einen Wehenzähler auf meinem Handy. Ja, sowas gibt es und ich dachte eigentlich, dass ich das nicht brauche/will, aber nachdem man ja sagt, dass man bei so und so groίen Wehenabständen die Hebamme rufen soll, installiere ich den Mist und messe halt mal die Wellen - mal kucken, ich kann das gerade gar nicht einordnen von den Längen und Abständen her. Die nächste Welle kommt und ich drücke auf den Knopf. Inzwischen reicht einmal Ein- und Ausatmen nicht mehr für eine Welle. Ich brauche mindestens drei Atemzüge, weil ich meinen Bauch nicht so gut aufpumpen kann und auch nicht so langsam ein- und ausatmen kann, wie ich es so oft geübt hatte. Außerdem ist diese Welle nun über eine Minute lang (wie mir die App sagt). Allerdings weiß ich nicht genau, ob ich richtig messe, da die Welle ja langsam anfängt und ich danach immer ein paar Sekunden (oder mehrere brauche) um wieder "aus der Welle aufzutauchen", also um wieder voll da zu sein. Die App sagt auf jeden Fall nach der zweiten gemessenen Welle, dass wir nun aufbrechen sollten ins Krankenhaus, weil "Die Wehen nun länger als 30 Sekunden" sind. Haha, ja von wegen.. ich bleib schön hier in meinem kuschligen Bett!

Ich mache die Entspannnungsmusik und die Geburtsaffirmationen, die ich mir runtergeladen hatte für die Geburt, wieder aus. Das lenkt mich ab, ich muss mich konzentrieren. Ich sage mir selbst das, was mir unsere liebe Hypnobirthing-Kursleiterin Julia gesagt hat: Ich atme zwischen den Wellen gleichmäßig, langsam immer 4 Sekunden ein und 4 Sekunden aus, entspanne mein Gesicht, die Stirn, den Kiefer, meine Arme, meine Beine, meinen Bauch und erwarte die nächste Welle.. da kommt sie schon. Ich mache während einer Welle öfter die Wellenatmung und ziehe gedanklich den tollen Fesselballon auf, den ich mir gedanklich konstruiert habe. Er ist bunt und steht auf einer grünen Wiese auf einem Hügel, bereit zum weg fliegen, wenn denn nur alles aufgezogen ist. Im Hintergrund auf meinem innerlichen Bild ist der See, wo ich meine ganzen Sorgen und Ängste ordnungsgemäß die letzten Wochen und Monate gedanklich immer wieder versenkt habe.

Das klappt alles nun ganz gut, ich wandel die nächsten Stunden immer zwischen Bett und Klo hin und her, ab und zu erwischt mich eine Welle beim Aufstehen oder zwischen Klo und Bett. Dann muss ich mich irgendwo fest halten. Die Wellen zu messen habe ich nun aufgegeben. Das Handy ist mir zu hell und mir ist es gerade ziemlich wurst, wie lange die dauern. Mir ist gerade eh alles ziemlich wurst, meine Gedanken kreisen immer nur darum, was mein Körper gerade macht und wie ich mich am besten zum Entspannen hin lege. Ich glaube, mein Mann hat es inzwischen auch mitbekommen, dass ich hier etwas rastlos bin.

Ich überlege, was mir nun gut tun würde. Badewanne! Au ja, ich will jetzt in die Badewanne! Mein Mann und ich haben ausgemacht, dass wenn die Wellen in der Nacht beginnen und ich in die Badewanne möchte, ich ihm Bescheid gebe und auf keinen Fall alleine in die Badewanne gehen soll. Ich lehne mich zu ihm rüber und sage ihm, dass es angefangen hat und ich gerne in die Badewanne möchte. Er ist gleich wach (er war davor wohl schon im Dämmerschlaf), gibt mir einen Kuss und geht ins Bad und lässt die Badewanne mit Meersalz ein. Ich bleibe im Bett und veratme die Wellen bis er wieder kommt. Ich gehe jetzt nochmal aufs Klo und dann mit Hilfe von meinem Mann (damit ich auch nicht aus rutsche) in die Badewanne. Boa, tut das gut! Absolut die richtige Temperatur! Mein Mann hat sich den Gymnastikball geholt und setzt sich darauf neben die Badewanne und legt seine Hand auf meine Schulter. Er hat auch noch eine Saftschorle mit den eingefrorenen Safteiswürfeln, die ich vorbereitet hatte, mitgebracht. Den Saft mag ich normalerweise ganz gerne, aber ich merke schon nach ein paar Schlucken, dass ich das nicht so gerne trinken mag. Ich weiß auch nicht, warum, aber kann das auch gerade nicht wirklich äußern. Unsere Kommunikation beschränkt sich im Moment auf ein paar Sätze bzw. mein Nicken oder Kopfschütteln. Ich bin so froh, dass er mich so gut kennt, so gelassen ist und da er ausgebildeter Rettungssanitäter ist (die Ausbildung hat er im Zivildienst gemacht und braucht sie jetzt noch ab und zu für die Feuerwehr), kann ich mich darauf verlassen, dass wenn er merkt, dass es jetzt nicht mehr ganz so gut ist mit meinem körperlichen Zustand, er Hilfe holt bzw. mir Hilfe leisten kann.

So, ich liege hier also in der warmen Badewanne. Glaube, mein Körper hat nun mal eine Welle ausgelassen. Gut so, ich will mich hier schlieίlich entspannen! Ich habe den Eindruck, dass die Abstände länger geworden sind, aber die Wellen dafür intensiver. Wirklich weh tun sie nicht, es ist ein wirklich komisches Gefühl, eine Welle zu haben. Irgendwas zwischen Darmkrampf, das Gefühl, meine Periode zu bekommen, Ziehen, Drücken - jedenfalls nicht wirklich schmerzhaft. Ich merke aber, dass, wenn ich mich nicht entspanne, es definitiv weh tut. Zum Beispiel beim Laufen oder wenn ich mich während einer Welle im Wasser oder im Bett bewege. In der Badewanne war es sehr angenehm, aber ich habe nun das Gefühl, hier raus zu wollen. Ich war wohl ca. eine Stunde im Wasser. Es ist nun 5:30 und ich gehe wieder ins Bett und überlege mir, wann wir unsere liebe Hebamme anrufen. Denke, um 7 wäre es gut, sie anzurufen, dann hat sie wenigstens ausgeschlafen, wenn das mir schon nicht gegönnt war. Ich schaue ab und zu aufs Handy und merke, dass die Zeit echt wie im Flug vergeht. Bei einer Welle wird mir etwas flau im Magen und ich weiß, dass es gut sein kann, dass ich mich übergeben werde. Ich hoffe, dass es ein Zeichen dafür ist, dass unser Baby nun weiter nach unten gerutscht ist und mein Magen mehr Platz hat und mir deswegen schlecht wird. Ich habe hier kein Behältnis, das geeignet dafür wäre, also gehe ich wieder ins Bad. Dort steht mein "Stammtisch"-Kübel, den ich zu meinem Junggesellinnenabschied geschenkt bekommen habe (aber bisher noch nicht nutzen konnte/durfte). "Was für ein schönes Ereignis, um ihn einzuweihen", denke ich mir, als die nächste Welle kommt und ich mich übergeben muss. Ein Glück, dass ich zusätzlich auf dem Klo sitze. Ja, mein Magen ist wohl leer. Ich mache mich und den "Stammtisch"-Kübel sauber, trinke etwas und gehe wieder ins Bett. Meinen Mann informiere ich mit: "Mein Magen ist nun auch leer" über die neuesten Vorkommnisse. Er lacht und meint, dass sich unser Baby wohl nun noch mehr Platz macht und alles raus muss, was keine Miete zahlt.

Er kuschelt sich an meinen Rücken während der nächsten Wellen und wir beschließen um ca. 7 Uhr, die Hebamme mal anzurufen und sie zu informieren, wie die Lage ist. Sie geht gleich ans Handy und meint, dass sie im Augenblick gerade bei einer Geburt ist, das Baby jedoch bestimmt gleich da sein wird, sie jedoch nach der Geburt noch ein paar Stunden bei der Familie braucht und sie meldet sich in einer Stunde nochmal bei uns. Bald darauf bekomme ich noch eine SMS von ihr, dass wenn es doch schneller geht bzw. wir das Gefühl haben, jemanden zu benötigen, wir ihre Kollegin anrufen sollen. Okay, das passt. Die Telefonnummer haben wir auf der Telefonliste, die wir von unserer Hebamme bekommen haben. Bisher habe ich bzw. wir nicht das Gefühl noch jemanden zu brauchen, also belassen wir es dabei.

Die nächsten Stunden wandel ich wieder zwoschen Bett und Klo hin und her. Mein Mann frühstückt und frägt, ob ich auch was haben möchte. Nein, ich will definitiv nichts in mir haben, was dann eh gleich wieder raus möchte. Ich lasse mich überreden, dass er mir Brot bringen kann. Sonnenblumenkernbrot - das mag ich total gerne! Mit nichts drauf, das müsste schon gehen. Im Endeffekt habe ich zwischen einigen Wellen insgesamt drei Bissen davon genommen. Ich bekomme einfach nichts runter. Er bringt mir nun auch eine Saftschorle mit den anderen eingefrorenen Safteiswόrfeln - dieses Mal ACE-Saft. Der geht viel besser als der andere Saft. Ich trinke zwischen den Wellen ab und zu ein paar Schlucke.

Ich weiß nicht, wo die Stunden hin sind, aber jedenfalls sagt mein Handy, dass es 10:45 war, als die Hebamme anruft und sagt, dass das Baby nun da ist. Sie benötigt noch ungefähr drei Stunden, bis sie sich auf den Weg machen kann zu uns. Sie erkundigt sich bei meinem Mann nach meinem Befinden und wir verbleiben so, wie wir es davor ausgemacht haben.

Ich lag weiter im Bett und habe mich gedanklich "weggebeamt". Mein Mann hat sich öfter an mich gekuschelt und mich animiert, was zu essen (ich bekam immer noch nichts runter) und zu trinken. Inzwischen war es Mittag geworden und er machte sich Nudeln mit Tomatensauce. Zum Glück hatte er die Türe zur Küche zu gemacht, mir wurde von dem Geruch ein bisschen schlecht. Irendwie fand ich das witzig, weil es das gleiche "mir ist schlecht"-Gefühl war wie am Beginn der Schwangerschaft.. wie es anfängt, so hört es wieder auf, habe ich mir gedacht. So in meinen Gedanken vertieft, hörte ich einen leisen Knacks, dachte mir aber nichts weiter dabei.

Kurz darauf klingelte mein Handy um 12:20 und ich drehte mich um und schaute darauf. Es wurde eine Handynummer angezeigt, die ich nicht gespeichert hatte. Ich dachte, dass es die Vertretungshebamme ist und bin hin gegangen. Mein Papa (mit einer offensichtlich neuen Handynummer) war dran und fragte, wie es mir geht und ob mein Mann da ist. In diesem Moment überrollt mich die nächste Welle und ich merke, wie ich schwallweise auslaufe. Zum Glück hatten wir schon zwei Handtücher unter mich gelegt, falls die Fruchtblase aufgeht, was nun der Fall war. Diese Welle war wieder recht schmerzhaft, weil ich auf einen Arm gestützt war und mit dem anderen Arm am telefonieren war. Ich sagte meinem Papa kurz und knapp, dass ich Wehen habe (mit Wellen kann er nix anfangen und zumindest stimmte das "weh" für die letzte Welle) und legte wieder auf. Mein Mann rief meinen Papa kurz mit dem Handy zurück (irgendwas stimmte wohl mit unserer Telefonanlage nicht und er sollte sie kurz im Keller aus- und wieder einstecken). Er telefonierte kurz, ging schnell in den Keller und kam dann gleich zu mir. Ich habe nur ein paar Flecken vom Fruchtwasser sehen können, denn so viel, wie es sich angefühlt hatte, war es gar nicht. Es waren jedenfalls sehr dunkle Flecken und mein Mann sagte auch, dass es sehr dunkel aus sieht. In dem Moment war ich etwas allarmiert, denn ich weiß, dass 'normales' Fruchtwasser durchsichtig bis gelb ist und nicht grünlich/bräunlich. Ich rief die Vertretungshebamme an und berichtete ihr von der offenen Fruchtblase. Sie beruhigte mich, dass das Baby wohl einfach in das Fruchtwasser gemacht hatte und es jetzt einfach nur bald raus kommt. Ich soll weiter auf die Kindsbewegungen achten und liegen bleiben, sie bespricht sich mit unserer Hebamme und eine von ihnen beiden wird zu uns kommen.

Ich war beruhigt, denn ich spürte immer noch die Bewegungen von unserem Kleinen ganz deutlich, wie schon die ganze Nacht und den ganzen Vormittag. Außerdem tastete ich mal unten (nur gut, dass ich mir jedes Mal mit der Sagrotan-Handseife die Hände gewaschen habe nach den Klogängen) und habe absolut nichts gespürt - weder Muttermund, Köpfchen noch Nabelschnur o.Ä. - es fühlte sich an wie immer, nur flutschiger. Also blieb ich erst einmal liegen und entspannte und veratmete die Wellen weiter. Die Abstände oder die Intensivität hatten sich nicht geändert aber ich hatte den Eindruck, dass die Wellen nun effektiver meinen bunten Fesselballon aufziehen. Ab und zu schwappt etwas Fruchtwasser raus. Nun bin ich auf jeden Fall motivierter, was zu trinken, damit der Kleine auch nicht auf dem Trockenen sitzt.

Mein Mann füllt nun den Pool und ich höre ihn etwas hektisch hin und her laufen zwischen Bad und Wohnzimmer, wo der Pool steht. Ich weiß, dass er versucht, ruhig zu bleiben, aber an seinen flotten Schritten merke ich, dass er etwas angespannt ist und versucht, den Pool so schnell wie möglich zu füllen. Ich versuche, mich für ihn mit noch mehr zu entspannen. Nach einiger Zeit kommt er zu mir und sagt, dass der Pool nun fertig ist. Allein die Aussicht auf schönes, warmes Wasser lässt meine Laune deutlich steigen! Er hilft mir auf und mit einem Handtuch zwischen den Beinen und gestützt von ihm gehe ich rüber ins Wohnzimmer und er hilft mir in den Pool. Ach, das tut wahnsinnig gut! Mein Körper ist anscheinend so geschockt von dem tollen, warmen Wasser, dass er wieder eine oder zwei Wellen auslöst. Ich suche währenddessen nach einer angenehmen Position im Pool. Gar nicht so einfach, eine passende Position zu finden, aber wir haben hier noch einen Schwimmreifen, durch den ich meinen Arm stecken und meinen Kopf oben drauf legen kann. Das fühlt sich gerade genau richtig an.

Mein Papa kommt hoch (er wohnt zwei Stockwerke unter uns und direkt unter uns wohnt meine schwerhörige Oma) und frägt, ob alles gut ist. Ich verweise ihn mit einem "Bitte geh wieder" unserer Wohnung. Er trollt sich dann auch gleich wieder. Ach, da sind sie ja wieder, die Wellen. Sie fühlen sich irgendwie angenehmer an, als auf dem Bett, aber auch anstrengender. Ja, jetzt wird es wirklich anstrengender und es fühlt sich für mich einfach richtig an, die Wellen zu vertönen. Es ist mir so egal, ob das irgendwer hört, obwohl es sich wohl eher für mich so anhört, als hätten wir gerade richtig guten Sex. Mein Mann meinte später, dass es sich nach allem angehört hat, nur deutlich NICHT nach gutem Sex. Ich hoffe wirklich, dass unsere gedämmten Fenster das halten, was sie versprechen und mich nun niemand hört. Ich wechsel ab und zu den Arm im Schwimmreifen, weil mir meine Hände und Arme teilweise einschlafen. Ab und zu kribbelt auch mein Gesicht wie ich es kenne, wenn ich hyperventiliere. Dann versuche ich zwischen den Wellen wieder viel ruhiger zu atmen. Das funktioniert. Inzwischen kann ich nicht mehr wirklich mehr als ein paar Wörter sagen, wir kommunizieren eigentlich nur noch indem er mir Ja/Nein-Fragen stellt und ich nicke oder den Kopf schüttel.

Er hat sich wieder auf den Gymnastikball neben den Pool gesetzt, gibt mir ab und zu Saft aus dem Glas mit Strohhalm und er hat fast immer seine Hand auf meiner Schulter, außer er macht den Pool wärmer. Witzigerweise haben wir das nur im Hypnobirthing-Geburtsvorbereitungskurs gesehen/gehört und danach nie die Entspannungsreise mit dem "Schulteranker" geübt oder darüber gesprochen. Aber das ist jetzt genau das, was ich nun von ihm brauche! Einfach nur seine starke Hand sanft auf meiner Schulter und ich stelle mir zwischen den Wellen vor, wie er mir durch seine Hand Energie und Liebe schickt, die ich in der nächsten Welle zu unserem Baby hinunter schicken kann. Das macht mich stark und der Gedanke erfüllt mich selbst mit noch mehr Liebe.

Es klingelt an der Tür. Ich weiß gar nicht, wie viel Uhr es ist, aber nach unserer Rekonstruktion des Tages ist es nun ungefähr 14:45. Es ist die Hebamme. Ich höre, wie sie die Treppe rauf kommt und wohl schwer bepackt ist. Es ist gerade keine Welle da, darum sag ich kurz Hallo zu ihr. Sie legt ihre Sachen ab und bleibt im vorderen Teil des Wohnzimmers und setzt sich erst einmal auf unser Sofa und packt ihre Sachen aus. Die nächste Welle kommt und ich vertöne sie wieder. Unsere Hebamme sagt zu mir, dass ich das richtig gut mache und sich das sehr gut anhört. Das motiviert mich - sie ist ja schließlich der Profi mit 25 Jahren Hausgeburtserfahrung.

Die Wellen ändern sich langsam, ich habe das Bedürfnis, mit zu drücken. Das möchte ich allerdings nicht so wirklich, meinem Damm zuliebe. Aber es geht nicht wirklich anders. Meine Töne werden wohl etwas höher, was ich selbst gar nicht merke, aber die Hebamme meint, dass ich doch tiefer tönen soll, da das die Frequenz vom Beckenboden hat und der so weicher wird. Ich probiere das und es fühlt sich wirklich besser an, tiefer zu tönen. Die Hebamme richtet ihre Sachen her und macht in der Küche einen Wasserkocher voll heißes Wasser und bringt es zu uns, um den Pool noch ein bisschen wärmer zu machen. Das Babywasserthermometer schwimmt hier auch rum und mein Mann schaut öfter darauf, dass es auch nicht zu kühl wird. Wahnsinn, wie hier nach meinen bzw. unseren Bedürfnissen geschaut wird. Ich fühle mich richtig wohl und geborgen.

Nun kommt auch die Hebamme zu uns an den Pool und sie frägt, ob ich mal die Position ändern möchte. Gute Idee! Ich drehe mich mal auf den Rücken und schon während die nächste Welle kommt, merke ich wie unangenehm diese Stellung ist. Ich kann mich nirgendwo fest halten und fühle mich ein bisschen verloren. Ich drehe mich wieder auf den Bauch, hocke mich hin und hänge mich über den hohen Poolrand, über den ein zusammengelegtes Handtuch hängt. Das ist definitiv angenehmer und ich merke, wie der Druck nach unten zunimmt. Ich muss nun mit pressen, aber es fühlt sich so an, als würde ich gegen eine feste, unnachgiebige Wand pressen. Da stimmt was nicht. Nach der zweiten Welle merkt das auch die Hebamme. Sie frägt, ob sie mal schauen kann. Klar kann sie das. Ich drehe mich auf die Seite und sie hält mein Bein und fühlt mal. Das tut nun weh, so wie damals, als ich mir meine Spirale habe einsetzen lassen, aber sobald sie nicht mehr fühlt, ist dieses Gefühl auch wieder weg. Sie meint, dass der Muttermund zwar ganz offen ist, aber noch am Rand eine ganz kleine Lippe ist. Ich soll mir vorstellen, wie diese Lippe weg schmilzt, wie ein Stück Butter in der heißen Pfanne. Ich stelle mir das nun ganz genau vor und weiß nicht, warum ich bei diesem Gedanken an Pfannkuchen denken muss und dass ich irgendwie Hunger habe. Der nächste Gedanke ist, was ich denn gerne heute Abend, falls der kleine Mensch sich doch mal bequemt, aus mir raus zu kommen, essen möchte und ich weiß sofort, dass ich gerne eine Pizza essen möchte - eine Familienpizza. Ich muss innerlich schmunzeln - was man für komische Gedanken hat, wenn der Körper in Extremsituationen steckt.

Nun fühlt sich die Wand, gegen die ich presse, nicht mehr ganz so unnachgiebig an und das finde ich toll - geht nun doch weiter! Nun haben wir ja im Hypnobirthing gelernt, dass man nicht pressen soll, sondern das Kind mit der J-Atmung nach unten zu atmen. Aber während den Wellen MUSS ich einfach pressen, mein Körper lässt mir gar keine andere Wahl. Zwischen den Wellen atme ich mit der J-Atmung nach unten und merke, wie sich so alles entspannt und dehnt. Ich habe nun einen starken Druck in der Hüfte und an meinem Steißbein. Die Hebamme drückt dagegen und mich nach unten und dann übernimmt das mein Mann - boa, das ist toll! Ich muss an das Buch "Meisterin der Geburt" von Jobina Schenk denken und an den Türrahmen, den sie empfohlen hat, um dort gegen diesen Druck zu arbeiten. Ich muss gestehen, dass ich das auch schonmal ausprobiert habe, mich in den Türrahmen rein zu stellen und mein Steißbein dagegen zu drücken, falls unser Baby doch "an Land" auf die Welt kommen würde. Aber ich kann mir jetzt gerade gar nicht vostellen, wo anders mein Kind zu bekommen als hier im Pool, wie ein Frosch sitzend und mich mit den Armen vom Boden abdrückend.

Die Hebamme meint, dass ich dort hin drücken soll, wo ich den Schmerz, das Brennen oder den Druck spüre. Da es weder dort unten schmerzt noch brennt, drücke ich dort hin, wo ich den Druck spüre. Ich bin gerade echt froh, dass sich mein Darm so gut selbst entleert hat. Nun noch eine Welle und auf einmal höre ich, wie meine Hebamme frägt, ob wir einen Käscher oder so haben. Mein Mann zückt einen Eimer und bald darauf höre ich die Klospülung. Hubs.. war wohl doch noch was in meinem Darm. Das tut mir echt leid, aber das Malheur hat mein Mann ja zum Glück schnell beseitigt, dafür bin ich ihm sehr dankbar. Ich überlege, dass ich selbst schon seit heute Mittag nicht mehr auf dem Klo war und schaue mal, ob in meiner Blase auch noch was drinnen ist. Ich benötige nun jeden Platz, der da unten zur Verfügung steht. Ich überlege kurz und lass einfach während einer Wellenpause laufen. Das sehen sie eh nicht, das Wasser ist eh schon ganz trüb vom Fruchtwasser. Was für eine Erleichterung!

Während einer Wellenpause, die mir erstaunlich lang vorkommt, taste ich nun mal wieder nach unten und hey, da ist doch was! Meine Hebamme meint, dass was ich da spüre, ist der Hinterkopf bzw. zwei übereinander geschobene Schädelplatten. Stimmt, es ist nicht glatt, sondern ich spüre seine Haare und einen kleinen Absatz. Ui, das ist toll! Ich habe gerade das erste Mal unser Baby berührt!! Während der nächsten Welle muss ich meine Hand wieder weg tun, es ist so anstrengend, dass ich mich mit beiden Händen abstützen muss. In der Wellenpause fühle ich nochmal nach, das Köpfchen ist nun weiter da. Nochmal eine Welle. Wieder gefühlt, es ist weiter da und ich taste nach meinem Damm. Er ist sehr gespannt und das restliche Köpfchen liegt genau dahinter. "Man, würde es diesen Damm nicht geben, wäre glaub ich so eine Geburt der reinste Spaziergang", denke ich. Ich versuche den Damm etwas mit meinen Fingern zu dehnen und so zu atmen, dass ich ihn ganz weich mache. Keine Ahnung, ob das was bringt - mal sehen.

Es vergehen zwei weitere Wellen, aber das Köpfchen kommt nicht weiter raus. Es ist wahnsinnig anstrengend, aber es tut nicht weh. Trotzdem habe ich Angst, dass wenn jetzt gleich das Köpfchen ganz kommt, dass ich mich verletze und eventuell der Damm komplett reißt. Ich denke an den Vorbereitungskurs und daran, dass der Damm richtig taub wird, wenn da viel Druck drauf ist. Nach meiner eigenen Untersuchung gehe ich davon aus, dass nun so ein so großer Druck auf dem Damm ist, dass, falls was passiert, ich das nicht merken werde - ich hoffe es zumindest und kann die Angst wieder zu den Akten legen. Die Hebamme fühlt nun mal nach und ich habe meine Hand am Köpfchen. Die nächste Welle kommt und die Hebamme macht irgendwas und schon habe ich sein Köpfchen ganz in der Hand. Die Hebamme meinte, dass er etwas fest hing. Was auch immer das heißt, ist mir aber auch egal.

Ich kann mich leider nicht genau errinnern, ob ich in diesem Moment einen Schmerz hatte. Wenn, dann nur ganz kurz und dieser Schmerz wurde von der Druckerleichterung, die nun unmittelbar gefolgt ist, absolut übertönt. Ich sage meinem Mann, dass das Köpfchen nun da ist. Ich kann leider seinen Gesichtsausdruck nicht sehen, aber ich höre nur ein "Echt?" und ich glaube, er hat mich sogar geküsst. Ich merke, wie sehr er sich freut.

Diese Wellenpause ist wieder erstaunlich lang und ich bin ganz ruhig, da ich weiß, dass der Kleine erst anfängt zu atmen, wenn er an die Luft kommt. Ich merke, wie die nächste Welle mit ihrer ganzen Macht kommt und mit einem letzten Mal mitschieben (pressen ist das nun nicht mehr) ist der restliche Körper in meine Hände geboren.

Ich setze mich nach hinten auf meine Beine und wickel mit der Hebamme zusammen unter Wasser die Nabelschnur von seinem Körper. Ich glaube, sie war einmal um seinen Hals, weiß es aber nicht genau. Ich hebe ihn aus dem Wasser und er ist ein wenig fahl von der Hautfarbe her. Er spuckt etwas Wasser aus, fängt an zu quäken und sein verformtes Köpfchen wird ganz rosa. Ui, das ist toll! Sein restlicher Körper ist noch unter Wasser und er quäkt noch weiter vor sich hin, öffnet die Augen und schaut mich an. Ich habe Pipi in den Augen.. man, ist das schön!

Ich hebe ihn nach oben und lege ihn auf mich drauf, er ist nun vollkommen rosa und die Hebamme hilft mir, mich etwas auf die Seite zu setzen und mich an den Poolrand zu lehnen. Mein Mann bleibt die ganze Zeit bei uns und umarmt uns und küsst mich. Ich spüre etwas Nasses auf mich tropfen und ich kann nun seit Stunden wieder richtig geistig anwesend meine Umwelt wahrnehmen und sehe, wie an ihm ein paar Freudentränen runter laufen. Ich bin so glücklich, dass ich ihn so glücklich sehen kann.

Die Hebamme frägt uns, wie er denn nun heißen soll und nachdem wir ja doch recht lange über den Namen diskutiert haben, frage ich meinen Mann: "Ja, wie soll er denn nun heißen?". Er antwortet "Na, Sebastian hatten wir doch gesagt". Das ist für mich irgendwie so der Abschluss von meinen Bedenken, dass meinem Mann der Name nicht so zusagt. Dieses Karpitel ist nun auch geschlossen.
Wir streicheln ihn beide und er quäkt vor sich hin. Die Hebamme gibt ihm ein paar Globulis (Arnica, glaube ich). Nun merke ich, dass da unten noch was raus möchte. Ich sage das und die Hebamme hält nun unseren kleinen Sebastian und mein Mann holt eine Tupperschüssel. Ich gehe wieder auf alle viere und merke auch schon, wie eine letzte, sanfte Welle kommt, mit der ich ein bisschen mit schiebe und es macht "plöb" und die Plazenta ist nun auch heraußen. Ich fange sie mit meinen Händen auf, sie fühlt sich so an wie eine frische Leber. Ich tue alles in die Tupperschüssel, die wir im Wasser treiben lassen. Ich fasse die Nabelschnur an und kann nicht spüren, dass sie pulsiert o.Ä., also nabeln wir ihn ab. Mein Mann hält ihn mit beiden Händen am Rücken und auf einmal pinkelt der Kleine los. Wir lachen alle - ja, die Blase funktioniert!

Die Hebamme klemmt die Nabelschnur ab und ich habe die Ehre, sie durchzuschneiden. Das fühlt sich echt schön an, hat für mich jetzt aber irgendwie nicht so eine große Bedeutung. Er und ich brauchen die Plazenta ja jetzt nicht mehr und deshalb wird sie nun abgemacht. Ich hatte eine Zeit lang über eine Lotusgeburt nachgedacht, aber da es wahnsinnig unpraktisch ist, die Plazenta in einem Beutelchen ein paar Tage mit uns rum zu tragen (habe ich ja jetzt lange genug), habe ich mich dagegen entschieden. Hätten wir keine Hilfsmittel gehabt, ihn abzunabeln, wäre sie natürlich dran geblieben.

Nachdem Sebastian nun eingewickelt ist und bei Papa auf dem Arm chillen kann, frägt mich die Hebamme, ob ich gerne auf das Sofa möchte oder ins Bett. Ich möchte lieber ins Bett. Das ist bequemer und man kann die Kopfteile aufstellen. Sie geht und bereitet das Bett kurz vor. Handtuch und zwei Einmal-Wickelunterlagen drüber. Nun hilft sie mir, aus dem Pool zu steigen und gibt mir ein Handtuch für zwischen die Beine und trocknet mich ab.

Nun gehen wir alle vier zusammen rüber ins Bett. Ich lege mich auf meine Seite mit dem hochgestellten Kopfteil und mein Mann mit unserem Sohn im Arm neben uns. Die Hebamme schaut, ob ich Verletzungen habe und mein Damm ist außen ein klein wenig eingerissen. Sie zückt Nadel, Faden und ein Betäubungsspray. Das Spray erkennt mein Mann sofort. Das haben sie im Rettungsdienst auch und zu den Neuen sagen sie immer, dass das Spray nach Banane schmeckt. Was natürlich vollkommener Blödsinn ist, aber ziemlich witzig, wenn das einer ausprobiert und sich in den Mund sprayt - das macht nämlich einfach nur alles taub und trägt auf jeden Fall zur Belustigung der Kollegen bei. Wir lachen und die Hebamme näht mich mit ein paar Stichen. Das tut nicht weh und danach bekomme ich noch ein sexy Netzhöschen mit zwei Pelzy-Einlagen angezogen. Die Einweg-Wickelunterlagen und das Handtuch bleiben da, wo sie sind und ich bekomme noch ein paar Globulis und werde zugedeckt. Man, ist das schön, nun hätte ich gerne noch meine Brille, dass ich unseren Sohnemann auch mal 'in scharf' sehen kann. Sie liegt auf meinem Nachtkästchen, wo ich sie gestern Abend hin gelegt hatte. Wunderbar!

Mein Mann gibt mir unseren Kleinen und mit Hilfe der Hebamme lege ich ihn das erste Mal an die Brust und er fängt sofort an, gierig zu saugen. Ich habe den Eindruck, dass man merkt, dass er keine Betäubungsmittel während der Geburt bekommen hat und auch so aufgewühlt ist, wie ich und offensichtlich auch so einen Durst hat. Mein Mann bringt mir eine neue Saftschorle - Zucker! Sehr gut, das brauch ich nun.

Während ich ihn stille, holt die Hebamme ihr Equipment und ein paar Einmal-Wickelunterlagen, breitet diese neben uns auf dem Bett aus und nun wird unser Kleiner erst einmal gemessen und gewogen. 2900g, 53 cm lang und 35 cm Kopfumfang. Ich fange an, zu rechnen.. Kopfumfang.. wie war nochmal die Formel für den Kreisumfang? Oh nein, ich will gar nicht wissen, was das Köpfchen für einen Durchmesser hatte.

Nun wird er noch angezogen und darf dann wieder zu mir zum Kuscheln. Die Hebamme holt noch die Plazenta und wir schauen sie uns ganz genau an. Da fällt mir noch ein, dass wir ja Plazenta-Globulis machen lassen wollen und mein Mann holt das dafür vorgesehene Gefäß, dass wir von der Apotheke zugeschickt bekommen haben. Die Hebamme erklärt uns, was das alles ist bei der Plazenta und meint, dass alles komplett und alles in Ordnung ist. Wir heben die Plazenta auf und die Hebamme legt sie in Salz in eine vorbereitete Tonschale.

Nun packt sie alles zusammen und mein Mann bestellt Pizza. Mein Mann hilft ihr noch, ihre ganzen Sachen in ihr Auto zu bringen (sie wollte nach dem 12-Stunden-Tag nicht mehr mit uns essen) und kurz darauf kommt er mit einer Familienpizza (halb Prosciutto und halb Diavola) wieder zurück und wir essen zu dritt im Bett unsere wohl verdiente Pizza.