Alternative Schmerzlinderung unter der Geburt:

Die Schmerzempfindung ist von Frau zu Frau und Geburt zu Geburt unterschiedlich. Hilfreich ist es ein Repertoire an Möglichkeiten zur Schmerzlinderung unter der Geburt zur Verfügung zu haben um darauf zugreifen zu können. Denn eines steht fest, alternative Methoden haben keine Nebenwirkungen.

Der Schmerz:

Ein akutes Schmerzgeschehen hat immer einen Sinn. So soll der akute Schmerz bei einer Verbrennung dazu beitragen, dass wir die Hand vom Herd nehmen. Ebenso verhält es sich mit dem "Schmerz" bei einer Geburt. Die Gebärende soll sich bewegen, soll dem Baby möglichst viel Platz im Becken verschaffen und genau fühlen, wie sie ihr Baby im Geburtskanal unterstützen kann. Denn auch das Baby erbringt Höchstleistungen bei einer Geburt und verspürt ebenso Schmerz.

In unserem Körper befinden sich unterschiedliche Nervenfasern mit "Empfangsstationen" (Nozizeptoren) für Schmerz . Vergleichbar ist die Schmerzleitung mit einer 3 spurige Autobahn. Manche Autos sind langsam unterwegs, andere fahren schneller und die Raser auf der 3. Spur, die zumeist am schnellsten an ihrem Ziel angekommen sind. Ebenso läuft es in unserem Körper ab. Der "schnellste" Schmerzreiz überlagert die langsamen Reize (Gate Control). Das können wir uns bei der Geburt zu Nutzen machen.

TENS/EMS:

Die Transcutane elektische Nervenstimulation oder Elektrische Muskelstimulation kommt ursprünglich aus der therapeutischen Elektrotherapie und wird dort zur Behandlung von Tumorpatienten und diversen Schmerzzuständen, deren Ursache nicht beseitigt werden können, verwendet. Umgangssprachlich wird von einem Reizstromgerät gesprochen, welches mit Elektroden, die man auf die schmerzende Stelle klebt, bedient wird. Man kann die Intensität (Stromintensität) am Gerät regulieren.

In Großbritannien verwendet bereits jede 5. Frau einen TENS unter der Geburt hingegen ist es bei uns noch nicht sehr verbreitet. Schade, denn es ist eine echte Erleichterung ohne Risiken und Nebenwirkungen.





Hierbei treffen mehrere schmerzlinderende Faktoren aufeinander:

  • Lockerung der Muskulatur und dadurch Entspannung in den Wehenpausen und während den Wehen
  • Freisetzung chemischer Stoffe - schmerzreduzierende Wirkung
  • Steigert das Wohlbefinden - Entspannung
  • Gate Control: Über den Stromreiz werden schmerzreduzierende Nervenreaktionen ausgelöst (Schmerzüberlagerung/Gegenirritation). Besonders angenehm, wenn man die Wehen sehr stark in Rücken, Gesäß und Oberschenkel spürt.
  • Erhöhte Durchblutung und Zellstoffwechsel und dadurch bessere Funktionsfähigkeit und Beweglichkeit/Leistung
  • Stimulierung von Akupunkturpunkten - Wirkung auf den gesamten Organismus, auf die Psyche und auf jeder Zellebene

Der Kamm:

Ihr umschließt den Kamm fest mit eurer Hand, sodass die Zinken in eure Hand hineinschauen, also weg von euren Fingern.

Der Haarkamm funktioniert ebenso über die Gate Control Theorie (Schmerzüberlagerung). Der "schnellste" Schmerzreiz überlagert die langsamen Reize. Zudem liegen die Nervenenden der Hand dem Gehirn näher als die im Becken, sodass sie das Gehirn schneller erreichen.

Ebenso stimuliert der Kamm Akupressurpunkte in eurer Handinnenfläche, welche euch den Schmerz anders wahrnehmen lässt.



Psychische Beurteilung des Schmerzes:

In der Schmerzforschung stellte sich heraus, die Bewertung des Schmerzes durch den Schmerz Empfangenden spielt eine wesentliche Rolle in Stärke und Art des Schmerzes.

Wer weiß, dass die Ursache seines Schmerzes harmlos ist bzw. den Nutzen dahinter sieht (ich kann mein Baby dadurch unterstützen und schützen), empfindet ihn weniger stark als jemand der nicht recht weiß was mit ihm geschieht und sich komplett überrollt fühlt.

Das erinnert mich wieder daran, wie wichtig eine gute Geburtsvorbereitung ist. Und zwar nicht jene, wo man sich das Kreisbett und die Duschen ansehen kann, sondern wo es um den Geburtsprozess, die Notwendigkeit von "Wehenschmerz", den Umgang damit und das "Bewusst werden" um die Geburtsreise und des Wandels von der Frau zur Mutter, geht. Wenn ich weiß, dass ich kein Opfer von Schmerzen bin und leiden muss, sondern eine starke Gebärende bin, die ihrem Baby hilft den Weg nach Draußen zu finden und der Schmerz mein Baby davor schützt, dass ich mich Chips essend auf die Couch lümmle und das Baby alleine lasse, dann weiß ich wie ich damit umgehen kann und empfinde den Schmerz schwächer.

Massagen:

Ganz banal. Lasst euch von eurem Partner oder eurem Geburtsbegleiter massieren.

Rücken, Oberschenkel, Gesäß, Hände, Füße, was euch gut tut und in der Stärke in der es euch gut tut.

Geeignete Griffe: Klopfen, Kneten, Streichen, Vibrieren, Drücken, ...

Ihr könnt die Massage mit einem guten ätherischem Öl unterstützen. Besonders geeignet für Muskelschmerzen sind Eukalyptus, Pfefferminze und Thymian. Jedoch sollte euch der Geruch liegen. Denn ein unangenehmer Geruch kann die Geburt verzögern (Aktivierung des Neokortex)

Gegendruck am Kreuzbein:

Euer Partner oder Geburtshelfer soll entweder mit der flachen Hand oder mit den Daumen auf eurem Kreuzbein (Os Sacrum) Gegendruck unter den Wehen geben.

Besonders angenehm werden die Kreuzbeinkulen empfunden. Die meisten Frauen empfinden einen starken Druck am angenehmsten. Also liebe Männer, trainiert eure Daumen :-)






Wärme:

Lokale Wärme fördert die Durchblutung und entspannt die Muskulatur, welche bei der Geburt stark gefordert wird. Aber nicht jede Frau empfinden Wärme unter der Geburt als angenehm. Probiert es einfach aus.

Was gibt es für Möglichkeiten:

- Geburtswanne/Badewanne/Dusche

- Warmes Kirschkernkissen/Leinsamenkissen

- Wärmepflaster

- Rotlichtlampe/Infrarotlampe

Tönen und tiefe Bauchatmung:

Eines der wichtigsten Werkzeuge zur Bewältigung der Wehen/Wellen ist das Tönen. Dabei sollte Frau den Mund ganz locker lassen und mit einem tiefen AAAAAAAAAA tönen. Durch die Schwingung des tiefen Tones lockert sich der Muttermund und die Beckenbodenmuskulatur. Eine wichtige Weisheit die von vielen Hebammen genannt wird ist:

Wie der Mund der Mutter so ihr Muttermund

Das heißt, wenn die Gebärende ihren Mund, Kiefer und die dazugehörige Muskulatur entspannt, ist auch ihr Muttermund flexibel und weitet sich besser und schmerzärmer. Verkrampft sie sich hingegen bei den Wehen, macht auch die Beckenbodenmuskulatur zu und der Muttermund bleibt möglicherweise verschlossen oder öffnet sich schlechter.

Zudem ist die tiefe Bauchatmung so wichtig, nicht nur für die Mutter, um möglichst gut mit Sauerstoff versorgt zu sein, sondern auch das Kind erleidet Sauerstoffmangel, wenn die Mutter sich verkrampft und die Luft während den Wehen anhält. Nicht selten hat das eine Verschlechterung kindlicher Herztöne zur Folge. Also liebe Mütter, Wehen werden kommen und gehen, das ist sicher. Viel wichtiger ist wie ihr mit ihnen umgeht. Versucht sie als Geschenk zu empfangen, denn nur durch sie werdet ihr euer Wunder bald in eure Arme schließen können.

Aufrechte Geburtspostionen:

Was ist so verkehrt an der Rückenlage unter einer Geburt? Einfach alles!

Versuchen wir Ketchup aus einer Flasche zu bekommen, halten wir sie aufrecht und bewegen sie leicht. Wir würden nie auf die Idee kommen sie hinzulegen um so das Ketchup heraus zu bekommen. Warum dann bei der Geburt? Nicht nur das die Rückenlage das Becken um bis zu 30% verengt und so den Durchmesser des Geburtskanales verringert, muss das Baby unphysiologisch nach oben gepresst werden, da in der Rückenlage auch noch das Steißbein im Weg ist, kommen hier wirklich unzählige Nachteile zusammen. Ebenso kommt es in der Rückenlage viel häufiger zu Geburtsverletzungen

Zudem kann es zum Vena Cava Syndrom kommen. Wo das Baby die Baucharterie der Mutter abdrückt und so nicht gut mit sauerstoffreichen Blut versorgt wird.

Trotzdem müssen immer noch so viel Frauen am Rücken liegen. Weil sie ein Dauer CTG haben, das Personal sagt, es sei so besser, sie schaffe es nicht aufrecht, ...

Liebe Mütter. Steht auf, bewegt euch, schaukelt hin und her, lasst das Becken kreisen, wenn ihr das Bedürfnis danach habt.

Die meisten Frauen empfanden aufrechte Geburtpositionen unter der Geburt im Vergleich zu der Rückenlage als viel schmerzärmer.

Wohlbefinden und Geborgenheit der Gebärenden:

Geburt ist vergleichbar mit Geschlechtsverkehr. Es werden die selben Hormone ausgeschüttet und die Bedürfnisse sind 1 zu 1 übertragbar.

Je wohler und geborgener sich eine Frau unter der Geburt fühlt, je entspannter und ungestörter sie ist, desto besser kann sie sich der Geburt hingeben und sich entspannen.

Eine entspannte Gebärende hat weniger Schmerzen und wer weniger Schmerzen hat, verspannt sich weniger :-)

Macht es euch gemütlich, dort wo ihr euer Kind zur Welt bringen werdet. Legt eure Entspannungsmusik und euren Lieblingsduft in einer Aroma Lampe auf. Stellt eure Geburtskerze oder Kraftsprüche auf. Zieht eure vertraute Kleidung an und trinkt und esst worauf ihr Lust habt. Küsst und schmust mit eurem Partner, hier wird auch gut Oxytocin ausgeschüttet, welches für die Geburt benötigt wird. Ihr seid die Göttin der Geburt und alle um euch herum eure Diener :-)

Ich möchte es noch kurz anschneiden, die klitorale Stimulation unter der Geburt. Wie beim Geschlechtsverkehr hemmt auch die klitorale Stimulation den Geburtsschmerz. Einfach gut zu wissen!

Die Geburtsreise ist etwas mystisches und unvorhersehbares. Wir wissen nicht wo die Reise hingeht. Ob sie lange oder kurz sein wird, mühsam oder leicht, ob wir an oder über unsere Grenzen kommen werden.

Aber eines ist sicher:

Wir werden am Ende von diesem Weg unser Kind in unsere Arme schließen. Wir haben uns auf der Reise verändert! Verändert zu einer Mutter die für immer ihr Kind in ihrem Herzen tragen wird.