Das Stillen:

Das Stillen bringt mitunter die meisten Fragen mit sich. Ist es normal das mein Baby anfangs sehr häufig an die Brust möchte? Nimmt mein Baby genug zu? Wird mein Baby nicht satt, weil es so viel weint?

Bereits in der Schwangerschaft produziert die Brust die wichtige Vormilch (Kolostrum). Ein Energie Booster für euer Baby, bis der Milcheinschuss (initiale Brustdrüsenschwellung) kommt. Er enthält zahlreiche Immunzellen und hat einen sehr hohen Anteil an Proteine. Wichtig ist, dass das Baby, so alles in Ordnung ist, ohne Trennung direkt nach der Geburt, in Körperkontakt mit euch kommt. Das frisch geborene Baby soll möglichst direkt und nackt in Bauchlage auf euren Bauch/Brustbereich kommen.(Bonding).


Lasst eurem Baby Zeit. Es wird 9 Phasen durchlaufen, die immer wieder von Ruhepausen geprägt sind, bis es für das erste Saugen an eurer Brust bereit ist. Wichtig ist, euer Baby muss unbedingt in Bauchlage auf euch kommen und wie ein Frosch auf euch liegen. Nur so wird es zum intuitiven Stillen kommen. Damit das Baby nicht auskühlt ist es wichtig, es mit Handtüchern (rot), zuzudecken.


Bonding:

Untersuchungen des Neugeborenen haben Zeit. Häufig verlangt die starr eingefahrene Klinikroutine ein sofortiges Untersuchen des Babys.
So es Mutter und Baby aber gut geht, spricht nichts dagegen die Routineuntersuchungen erst nach einer oder zwei Stunde zu machen und auch das geht größtenteils auf euch.
Die ersten Minuten und Stunden sind ausschlaggebend für den Stillstart von Mutter und Baby.

Milcheinschuss (initiale Brustdrüsenschwellung):

Der Milcheinschuss kann unmittelbar oder erst einige Tage nach der Geburt einsetzen. Hier ist es wichtig eine erfahrener Stillberaterin an der Seite zu haben um etwaige Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen.
Auch für das Baby ist die Geburt eine große Anstrengung und so kann es durchaus sein, dass es nach dem ersten mal Saugen erst wieder nach ein paar Stunden an die Brust möchte und einfach nur schläft und sich erholt.
Das ist für gewöhnlich kein Problem (Neugeborenengelbsucht beachten) und kein Grund für Milchersatznahrung oder gar Tee, da Babys Magen bei der Geburt so groß wie eine Kirsche ist und maximal 1 bis 1,5 Teelöffeln Milch aufnehmen kann.

Sollte euer Baby länger als 6 Stunden schlafen probiert es sanft zu wecken. Denn für den Milcheinschuss ist es wichtig, vor allem in den ersten Tagen, häufig anzulegen . 8 bis besser 12 Stillmahlzeiten/24 Stunden sind anzustreben.

Gewichtsentwicklung:

In den ersten Tagen nach der Geburt kann das Baby bis zu 7% seines Geburtsgewichtes wieder verlieren.(physiologisch)
Das ist ganz normal, da häufig der Milcheinschuss einige Tage auf sich warten lässt und sich bei der Geburt noch Fruchtwasser im Magen des Babys befinden kann. Manchen Babys ist durch das Fruchtwasser richtig übel. Kolostrum ist das Mittel gegen Übelkeit. Da es zahlreiche Enzyme enthält.

Übung:

Stillen muss geübt werden. Mit jedem Mal Anlegen finden Mutter und Baby besser zusammen und finden die Stillpositionen die für sie am geeignetsten sind. Anfangs kann das sehr anstrengend und irritierend sein. Lasst euch alle Stillpositionen von einer Stillberaterin zeigen. Es ist wichtig, das Baby anzulegen bevor es unruhig wird und weint. Denn dann kommen Mutter und Baby in Stress. Adrenalin hemmt die Oxytocinauschüttung und ohne Oxytocin fließt keine Milch.

Legt euer Baby an, wenn es die ersten Stillzeichen (Hungerzeichen) sendet. z.B.:

- Lecken der Lippen, Öffnen des Mundes, Bewegen des Kopfes von rechts nach links und wieder zurück, Schmatz Geräusche, Saugen an diversen Gegenständen auch an der eigenen Hand, ...

Wenn ihr dann beginnt, habt ihr noch genügend Zeit Positionen zu finden und in Ruhe das Baby anzulegen.
Legt das Baby immer an wenn es Hunger hat. Das nennt man bedarfsorientiertes Stillen und ist essentiell für die Etablierung der Milchbildung. Muttermilch ist extrem schnell verdaut (60 Minuten) und der Magen von Neugeborenen ist sehr klein und kann nur häufiger kleinere Mengen aufnehmen. Nach rund 30 min befindet sich keine Muttermilch mehr in Magen.
Stillen nach Zeit oder Hinauszögern der Stillmahlzeiten ist weder gut noch sinnvoll. Hierbei sind Stillschwierigkeiten und eine schlechte Gewichtszunahme vorprogrammiert.

In der Nacht könnt ihr ganz normal weiter stillen. Wenn das Baby Hunger hat meldet es sich. Zudem unterstützt das Stillen und die dadurch nächtlichen "Wachphasen" die Gehirnentwicklung und schützt vor dem plötzlichen Kindstod. Lasst euch unbedingt das Stillen im Liegen zeigen.

Auch das Zufüttern von Babynahrung solltet ihr möglichst unterlassen. Denn die Nachfrage bestimmt das Angebot. Wenn ihr eurem Baby die Flasche gebt, produziert die Brust weniger Milch. Je häufiger ihr zufüttert, desto weniger Milch wird von der Brust produziert. 

Foto: Tanja Stolz, Lieblingsbild Babyfotos Graz www.lieblingsbild.at

Stellt euch vor ihr geht jeden Tag zum Chinesen essen. Der Chinese eurer Wahl weiß bereits, dass ihr jeden Tag zum Essen kommt und plant euch von der Menge, welche er vorbereitet im Buffet ein. Plötzlich kommt ihr und andere aber nur noch jeden zweiten Tag. Es wird zwar eine Zeit lang dauern bis der Chinese darauf reagiert aber er wird auf jeden Fall sein Angebot reduzieren, da er ja nichts verschwenden möchte.
Die weibliche Brust reagiert hingegen sofort auf die mangelnde Nachfrage.
Je häufiger ihr euer Baby anlegt desto besser wird die Brust ihre Milchmenge auf euer Baby anpassen.

Die Nachfrage bestimmt das Angebot:

Deswegen Clustern Babys auch. Clustern-feeding oder "Lagerfeucherstillen" bedeutet "Milch vorbestellen". Gerade in den ersten Wochen kommt es einem vor als würden die Babys ständig an der Brust hängen. Eben hat das Baby 2 Stunde getrunken möchte es bereits nach 15 Minuten schon wieder die Brust. Und das ist auch okay so. Denn euer Babys ist sehr schlau. Es weiß, was nötig ist, damit eure Brust optimal Milch produziert. Auch hierbei werden Unmengen an Oxytocin ausgeschüttet und Milch produziert. Beim nackt kuscheln wird übrigens auch viel Oxytocin ausgeschüttet. Deswegen ist es ein weiterer Baustein für eine etablierte Milchbildung.

Gehen wir wieder zu unserem Chinesen. Wenn ihr den Chinesen vorher anruft, ich möchte das Menü B2, bereitet er es für euch vor und steht euch schneller zur Verfügung. Euer Anruf ist gleichzusetzen mit Saugen des Babys an eurer Brust. Auch hier bestimmt wieder die Nachfrage das Angebot.
Das kann anfangs richtig belastend sein. Gerade erst habt ihr die anstrengende Geburt hinter euch, habt das Gefühl, dass ihr nicht mal in Ruhe auf die Toilette gehen könnt, geschweige denn in Ruhe essen könnt und dann möchte auch noch dieses neue Wesen ständig an eure Brust und mit euch in Körperkontakt sein. Jede frischgebackene Mutter würde lügen, wenn sie sagt ihr macht das nichts aus.


Deswegen ist es umso wichtiger, dass ihr es euch gemütlich macht.
Habt immer etwas zu Trinken in Reichweite, schaut euch eure Lieblingsserie während dem Stillen an, esst im Bett und lasst euch eure Lieblingsspeisen liefern. Und ganz wichtig. Schlaft wenn das Baby schläft! Alles andere kann warten. Je weniger Stress (Adrenalin) ihr im Wochenbett habt, desto besser spielt sich das Stillen. (Oxytoxinausschüttung)


Verändertes Saugverhalten:

Auf den Schnuller solltet ihr in der ersten Zeit verzichten. Da ein Schnuller ganz anders "bedient" werden muss als die Brust, kommt es nicht selten zu einem verändertem Saugverhalten.
Das bedeutet, dass das Baby auf einmal nicht mehr an der Brust trinken kann.
Dies kann zwar auch noch mit 6 Monaten entstehen aber am häufigsten ist es in den ersten zehn bis zwölf Wochen.
Auch "schnullert" sich ein Neugeborenes häufig müde oder satt und lässt dadurch Stillmahlzeiten aus. Was wiederum die Milchmenge reduziert und die zugeführten Kalorien reduziert.
Der Schnuller wird häufig zur vermeintlichen Beruhigung eingesetzt. Jedoch wollen Babys sich oft einfach nur "mitteilen", die anstrengende Geburt verarbeiten oder den fehlenden Körperkontakt mitteilen. Deswegen lasst eure Zwerge viel mit euch im Körperkontakt sein.

Das Stillen der Mamis ist das Tragen der Papis:

Wenn ihr mal in Ruhe duschen gehen wollt oder einfach nur in Ruhe essen wollt, kann sich Papa das Baby mit einem Tragetuch umbinden.
Die meisten Babys sind dort sehr zufrieden und die Zeit bis zum nächsten Mal Anlegen lässt sich etwas hinauszögern. Bedenkt trotzdem, dass das Saugverhalten eures Babys die Milchproduktion anregt und sich auf den Bedarf des Babys einstellt.
Das Stillen der Mamis ist das Tragen der Papis. Eine wunderschöne Erfahrung für Baby und Papa.

Mamillenpflege:

Wunde Mamillen (Brustwarzen) sind sehr häufig ein Resultat nicht optimal angelegter - saugender Babys. Holt euch unbedingt eine erfahrenen Stillberaterin um dies, und mögliche andere Ursachen kontrollieren zu lassen.

Wunde Mamillen könnt ihr mit Lanolin (Wollfett) behandeln.
Lasst so viel Luft wie möglich an die Mamilla und vermeidet Druck auf die Brust durch Bh, Stilleinlagen oder ähnliches. Am besten seid ihr zu Hause oben ohne.
Eine gute Alternative, wenn es wirklich nicht ohne Einlagen geht sind Wolle/Seide Stilleinlagen. Brustringe, welche man in den BH einlegt und so den Brustwarzen Raum verschaff sind auch hilfreich. Ebenso ist Heilwolle eine gute Unterstützung in der Stillzeit. Da die stark saugenden Stilleinlagen häufig auch das pflegende Brustsekret aus den Montgomery-Drüsen aufsaugen, welche die weibliche Brust schützt. Heilwolle enthält das natürliche Wollfett, pflegt somit die Mamilla und verschafft ihr etwas Raum zum BH.

Mama sein bedeutet Hingabe und auch mal Zähne zusammenbeißen. Dafür wird man mit einer wunderschönen Stillbeziehung zu seinem Kind belohnt.



Foto: Tanja Stolz, Lieblingsbild Babyfotos Graz www.lieblingsbild.at