Väter im Wochenbett:

Häufig höre ich von frischgebackenen Vätern, sie kommen sich unnütz vor und können eh nicht helfen. Das Wochenbett ist "das Ding" von der Mutter. Sie können das Baby eh nicht beruhigen oder haben Angst im Umgang mit dem Neugeborenen etwas falsch zu machen.

Liebe Väter. Ihr könnt jede Menge machen und so eure Partnerin der anstrengenden ersten Zeit unterstützen und eine innige Bindung mit eurem Nachwuchs aufbauen. Bitte bedenkt, dass die frischgebackene Mama rund um die Uhr für eure Baby da ist und seinen Bedürfnissen nachkommt. Da bleiben die eignen Bedürfnisse und meistens der eigene Schlaf auf der Strecke.

Was könnt ihr nun machen und wie könnt ihr euer Baby beruhigen und so mehr Verantwortung übernehmen?

1. Wie könnt ihr euer Baby beruhigen?

Je mehr ihr in Körperkontakt mit eurem Baby geht, desto eher wird es sich von euch beruhigen lassen. Ich empfehle den Papis immer bei jeder Gelegenheit oben ohne mit ihrem Nachwuchs zu kuscheln. Natürlich sollte auch das Baby nackt sein. Dieses Bonding ist ein wichtiger Bestandteil eine innige Verbindung zu eurem Baby aufzubauen. Legt euch auf euer Sofa oder ins Bett mit leicht erhöhten Oberkörper und legt euer Baby mit dem Bauch auf euren Bauch. Packt euch warm ein. Eure Körperwärme und euer Herzschlag wird euer Baby beruhigen und Sicherheit schenken. Ebenso wird seine Körpertemperatur, seine Herzfrequenz, die Atmung und sogar die Verdauung reguliert.

Wenn ihr das Gefühl habt ihr könnt euer Baby nicht gut stützen, holt euch ein Bonding Top oder legt jede Menge Stillkissen und Kissen um euch, sodass ihr entspannt euer Baby stützen und stabilisiert könnt.

Wenn ihr mehr zum Thema Bonding wissen wollt:

Erst Bonding - das Ding mit der Bindung

Wenn euer Baby beim Liegen unruhig ist, könnt ihr es in eine Tragehilfe oder ein Tragetuch nehmen. Lasst euch dies von einer erfahrenen Tragemama/Papa oder einer Trageberaterin zeigen.

Hier könnt ihr mehr über das Tragen, Binden von Tüchern und der Einstellung von Tragehilfen erfahren:

Tragen

Auch beim Tragen habt ihr den positiven Aspekt des Bondings. Optimal seid ihr zwei wieder nackig. Wenn ihr hinaus spazieren geht natürlich dementsprechend anziehen.

Legt euer Baby so wenig wie möglich ab. Denn Babys sind genetisch darauf programmiert und angewiesen Körperkontakt mit Mutter oder Vater zu haben um sein Überleben zu sichern. Ein Baby das irgendwo alleine herum liegt würde entweder auskühlen/erfrieren oder von Raubtieren gefressen werden. Demnach ist es verständlich, dass euer Baby am liebsten bei euch ist. Und keine Angst. Man kann ein Baby nicht mit Körperkontakt verwöhnen. Ganz im Gegenteil. Babys, die in ihrem ersten Lebensjahr und vor allem die ersten Lebensmonate viel Körperkontakt zu Mama und Papa hatten sind dann sicherer, wenn sie sich von ihrem sicheren Hafen entfernen (Krabbeln, Gehen, ...)

Weinen:

Ganz wichtig ist auch eure Einstellung zum Weinen eures Babys zu überdenken. Ja, durch weinen macht das Baby auf ein Bedürfnis aufmerksam. Es hat vielleicht Hunger oder Durst, ihm ist kalt oder warm, hat Angst, muss Pipi oder Gacki, liegt nicht gut, ... die Liste ist ziemlich lang :-) ABER:

Babys haben AUCH viel zu erzählen. Sie müssen die Geburt oder einfach nur den Tag verarbeiten, haben Bauchweh oder es zwickt ein Pups, oder sie erzählen wie unglaublich grausam euer Parfum ist :-) Ein Tipp am Rande. Bleibt natur. Euer Baby soll euren Körpergeruch aufnehmen und sich einprägen. Die meisten Babys weinen so und so, wenn sie Parfum riechen.

Was ich damit sagen möchte, Babys müssen auch weinen dürfen. Damit will ich auf gar keinen Fall sagen, dass ihr euer Baby weinen lassen sollt, aber unsere Gesellschaft ist schon sehr stark auf Vermeidung ausgelegt und mit einem weinenden Baby verbinden die meisten ein Baby, dessen Bedürfnisse nicht beachtet werden und jedes Weinen am besten schon im Vorfeld beseitigt wird. Schnuller rein und schaukeln, schaukeln bis dem Babys schwindelig ist.

"So ist es brav"

Lasst eure Babys auch mal erzählen, wenn ihr sicher seid, dass ihre Grundbedürfnisse gedeckt sind. Ihr müsst nicht gleich panisch zu Mama laufen, weil euer Baby weint. Versucht es zu begleiten. Wie wenn sich euer Kind in Zukunft weh tut. Dann werdet ihr es in den Arm nehmen und es in seinem Schmerz begleiten und nicht zu Mama bringen und sagen, da hat Aua.

2. Learning by doing

Am sichersten werdet ihr, wenn ihr einfach macht. Wickelt euer Baby, zieht es um, tragt es. Wartet nicht darauf bis euch eure Partnerin euer Baby in die Hand drückt. Zeigt Eigeninitiative und gebt euch einen Ruck. So ein Neugeborenes ist nicht so fragil wie es aussieht. Ich verspreche euch, nach ein paar Tagen seid ihr super sicher im Handling mit eurem Zwerg und das entspannt alle Beteiligten.

3. Unterstützt die frischgebackene Mama

Diesen Punkt mag ich besonders gerne, weil so viele Papis sagen, was soll ich denn tun? Ich kann eh nicht helfen. Oh doch!

  • Nehmt das Baby nach dem Stillen oder der Flasche zum Aufstoßen
  • Bei Flaschenkinder könnt ihr die Flasche herrichten und auch geben
  • Sorgt dafür, dass eure Partner trinkt und isst. Stellt ihr Wasserflaschen bereit, sodass sie beim Stillen hinkommt. Wenn das Baby wiedermal aufgewacht ist und stillen möchte, als sich eure Partnerin den ersten Bissen in den Mund stecken wollte, bringt ihr das Baby und füttert sie während sie stillt. Ja, ihr lest richtig! Wir Mamis stillen gerade in den ersten Wochen gefühlt ständig und irgendwie haben diese Babys ein Radar verbaut, wenn es um das Essen der Mutter geht. Auch meine Tochter war IMMER wach, als ich zu essen beginnen wollte. Und ständig kalt zu essen kann wirklich nichts, ist zu dem frustrierend und häufig clustern Babys auch, da kann man schon mal 3 Stunden sitzen und stillen. Vielleicht könnt ihr jetzt verstehen, dass man unheimlich froh ist, wenn der Partner einem mit warmen Essen füttert. Zudem verbraucht das Stillen 600Kcal zusätzlich/Tag.
  • Lasst eure Partnerin auch mal schlafen. Häufig übernehmen wir Mütter die komplette "Kinderbetreuung". Das bedeutet nachts zu stillen oder Flasche zu geben (so oft wie das Babys möchte), abzuhalten oder die Windeln zu wechseln. Wir sind also in der ersten Zeit gut alle 1,5 Stunden wach und auf. PRE und Muttermilch ist innerhalb 60 min verdaut, ihr könnt euch also ausrechnen wie häufig Babys in der Nacht kommen können. Es ist unheimlich anstrengend immer wieder im Schlaf unterbrochen zu werden. Deshalb appelliere ich an euch. Lasst auch die Mütter mal schlafen. Gerade am Wochenende, wenn ihr nicht zur Arbeit müsst. Steht auf und kuschelt mit eurem Baby oder geht spazieren. Auch wenn ihr Abends von der Arbeit nach Hause kommt. Die erste Zeit ist für alle Beteiligten anstrengend. Unterstützt euch gegenseitig. Manchmal ist es wirklich so, dass die Mütter am Abend einfach nur weinend das Baby an Papa übergeben, weil sie einfach nicht mehr können.
  • Bringt essen mit nach Hause! Wir haben wirklich keine Zeit oder Kraft für euch/uns zu kochen. Jede freie Minute in der das Baby nicht gestillt/gefüttert wird, weint, getragen werden möchte, gewickelt werden muss, Bauchweh hat, Spucken muss, umgezogen werden muss, geschaukelt werden muss,... sollte als Schlafmöglichkeit für eure Partnerin genutzt werden.
  • Organisiert eine Haushaltshilfe! Wir haben wirklich keine Zeit und Kraft den Haushalt zu machen. Jede freie Minute in der das Baby nicht gestillt/gefüttert wird, weint, getragen werden will, gewickelt werden muss, Bauchweh hat, Spucken muss, umgezogen werden muss, geschaukelt werden muss,... sollte als Schlafmöglichkeit für eure Partnerin genutzt werden. Unterstützt sie, denn so blöd es klingt, wir versuchen dann tot müde, hungrig, mit voller Blase auch noch den Haushalt zu machen, wenn das Baby dann mal schläft
  • Organisiert eventuell eine Doula für die erste Zeit im Wochenbett, wenn ihr die Partnerin nicht unterstützen könnt. Doulas sind nicht nur Begleiterinnen in der Schwangerschaft und bei der Geburt. Sie unterstützen auch im Wochenbett. Kochen für die Mama, nehmen das Baby, damit Mama duschen gehen kann und entlasten sie auf vielen Ebenen. Hier könnt ihr eine Doula suchen und mehr über sie erfahren

Doula.at

4. Fragt uns was wir brauchen und was uns helfen würde!

5. Seid nachsichtig mit uns Müttern! Ständiger Schlafmangel, Schmerzen von der Geburt, die Umstellung und Aufgabe unserer Bedürfnisse in der ersten Zeit, die ständige Verfügbarkeit für dieses neue Wesen, sich keine Auszeit nehmen zu können, letzt verantwortlich zu sein, ständig zu stillen, eventuelle Stillschwierigkeiten, Babyblues, nicht zum Essen zu kommen, nicht auf die Toilette zu kommen,... das alles ist wirklich eine große Herausforderung für uns junge Mütter. Seid bitte nachsichtig, wenn wir einen hysterischen Anfall bekommen, weinen oder alles hinschmeißen wollen. Wir sind genau wie ihr überfordert mit der neuen Situation. Nehmt uns in den Arm, redet mit uns über die Geburt, unsere Ängste, Gedanken und Sorgen. Seid für uns da, wir brauchen euch nun mehr denn je.

6. Seid nachsichtig mit euch selbst! Nur ein Papa der bei Kräften ist, kann unterstützen. Achtet auf euch und eure Kraftreserven und seid nicht so streng mit euch. Auch für euch ist es eine große Umstellung und ihr müsst euch erst "kennen lernen". Damit meine ich nicht nur euch und das Baby, sondern auch euch als Mama und Papa und nicht mehr nur als Paar.

Ein Kind ist der größte Segen der Welt. Anfangs fragen sich die meisten Eltern, was sie sich da angetan haben :-)

Doch mit der Zeit wird das Stillen leichter, ihr braucht keine zig Pölster, ihr fahrt einfach Shoppen mit eurem Baby, in den Urlaub mit eurem Baby, ihr könnt euren "Alltag" wieder aufnehmen, mit dem Unterschied, dass ihr nun zu dritt seid.

Am Abend werden sich kleine Hände bei euch anhalten und sich bei euch geborgen fühlen. Es wird ab nun jemand Mama und Papa zu euch sagen, für den ihr das Größte der Welt seid.

Und ich kann euch versichern, jeden Morgen, wenn ihr erwacht und in die Augen eures Kindes seht wisst ihr, dass das euer Leben ist und ihr diese Momente nie wieder missen wollt.