Wickeln und Abhalten:

Ein großes Fragezeichen steht bei Erstlingseltern häufig, wenn es um das Thema wickeln geht.
Wie häufig muss ich die Windel wechseln? Muss ich sie auch in der Nacht wechseln? Was ist eigentlich Abhalten? Wie kompetent sind Babys eigentlich?

Wenn ihr ganz "traditionell" mit Windeln wickelt, solltet ihr darauf achten, dass euer Baby nicht im Nassen liegt. Hier können leicht Keime über die Harnröhre aufsteigen.

Im Urin befinden sich, hingegen häufiger Annahme, sehr wohl Keime. Aerococcus und Actinobaculum als auch geringe Anteile von Shigellen und Escherichia. Nicht zu vergessen die enthaltenen organischen Säuren (Zitronensäure), die einen wunden Po verursachen können.

Zusätzlich wird der Urin bei der Ausscheidungen mit etlichen Keimen durch die Harnröhre kontaminiert.

Man geht von 8 bis 10 Windeln pro Tag aus. Was ich persönlich für zu wenig halte. Da wir zeitig nach der Geburt mit dem Abhalten begonnen haben, kann ich euch sagen, dass so ein Neugeborenes alle 20 bis 30 Minuten Harn ablässt.
Das würde bedeuten, dass euer Baby zweieinhalb bis dreieinhalb Stunden in seinem Urin liegt. Für mich war diese Vorstellung nicht stimmig. Deswegen haben wir, unter anderem mit dem Abhalten begonnen.
Dazu später mehr.

In der Nacht ist es von Vorteil die Babys anfangs nicht zu wickeln. Denn Schlaf sollte immer vor allem anderen stehen. Vorausgesetzt es ist stimmig für alle.
In der Nacht setzen Babys übrigens weniger Harn ab.

Wie kamen wir zum Abhalten?
Zum einen war für mich die Vorstellung, dass mein Baby in seinem Urin liegt nicht sehr beruhigend. Zum anderen merkte ich, dass unsere Tochter danach verlangte. Auch in der Nacht.
Zu bestimmten Zeiten wurde sie unruhig.
Sie strampelte mit den Beinen, gab seltsame Laute von sich und ich hatte den Eindruck einen Ameisenhaufen neben mir liegen zu haben. Ich konnte relativ schnell ausschließen, dass sie Hunger hat, ihr kalt oder heiß ist oder ein anderes Bedürfnis dahintersteht. Sie hatte schlicht und ergreifend eine volle Blase. Dieses Zappeln konnte bis zu 1,5 Stunden gehen.
Kurzerhand entschloss ich mich sie abzuhalten.

Was ist Abhalten?
Unsere Babys sind ganz schön kompetent. Entgegen vieler Expertenmeinungen können Babys ihre Ausscheidungen sehr wohl mitteilen und sogar ein Stück weit kontrollieren. Babys spüren wenn ihre Blase voll wird und sie diese entleeren müssten.
Sie beginnen mit den Beinen zu strampeln, die Lippen komisch zu formen, einen bestimmten Blick zu bekommen, mit der Hand zwischen die Beine zu fassen, oder auf eine ganz bestimmte Art und Weise zu weinen.
Wir Erwachsenen haben einfach nur verlernt ihre Kommunikation zu lesen.
In vielen Ländern ist es nach wie vor üblich, dass Babys nie Windeln tragen, sondern abgehalten werden.

Erlebnis: Ich konnte bei meiner Tochter beobachten, dass sie sogar eine gewisse Zeit zurückhalten kann. Wir gingen im Tuch spazieren und sie signalisierte. Es war ein verregneter Tag, wir mit Schirm unterwegs. So entschied ich mich etwas flotter zu gehen und im nächstgelegenen Cafe auf die Toilette mit ihr zu gehen, Ich sagte ihr noch, dass ich verstanden habe, dass sie aufs Wc muss und ich mich beeile. Es hat rund 5 Minuten gedauert bis wir dort waren. Die Signale wurden immer deutlicher und als ich sie dann abhielt, musste sie sofort urinieren. Einer von vielen Erlebnissen die mir zeigen, Babys können ihren aufkommenden Harndrang realisieren, kommunizieren und sogar zurückhalten. Meine Tochter war zu dem Zeitpunkt keine 12 Wochen alt.

Wie geht das nun?
Das Baby hat signalisiert, ich habe eine volle Blase, ich möchte diese entleeren.
Babys werden mit dem Instinkt geboren ihr Nest nicht zu beschmutzen. Deswegen wird ein Baby so lange warten bis es nicht mehr anders geht und erst dann in die Windel machen.
Ich habe nicht nur unsere Tochter sehr intensiv beobachtet, sondern auch andere Kinder. Mir fiel zunehmend auf, dass Babys anfangs aus diesem Grund häufig weinen.
Im Mutterleib waren sie gewohnt, komplett autonom ihre Ausscheidungen zu kontrollieren.
Nun versuchen sie mit allen Mitteln uns Eltern zu verstehen zu geben, ich muss mal.
Das kann ganz schön frustrierend für ein Baby sein, wenn wir einfach nicht verstehen was sie möchten.
So beginnt das Kind zu weinen und irgendwann erleichtert es sich in die Windel.
Ich konnte aber auch beobachten, dass es Babys gibt denen es weniger ausmacht. Ich denke das ist ganz stark abhängig vom jeweiligen Kind.
Irgendwann gewöhnt sich aber, denke ich, jedes Kind daran in die Windel zu machen. Ich wollte das aber nicht!

In der Praxis...

In der Praxis hält man sein Baby, welches zuvor signalisiert hat, unten nackig über einen Topf, eine Schüssel, über das Waschbecken, über die Badewanne oder über die Toilette.
Wie schnell ein Baby sich entleert ist ganz unterschiedlich.

Wie beginne ich?
Anfangs kann es ganz schön schwierig sein die Signale richtig zu deuten. Deswegen beginnt man mit Standardsituationen.
Nach dem Stillen, nach dem Spaziergang, nach dem Autofahren, nach dem Aufwachen, bevor ich es ins Tragetuch gebe, nachdem ich es aus dem Tragetuch genommen habe.
Auch hier gilt wieder Schlaf steht an oberster Stelle.
Ich werde niemals ein Baby aufwecken um es abzuhalten.

Überlegt euch ein Signalwort für Pipi und Gacki. Unseres ist psssiiiii und gackaa.

Das sagt ihr nun immer, wenn ihr abhaltet bzw. wenn euer Baby pieselt oder gackt.

Wenn es die Temperatur zulässt, könnt ihr euer Baby unten ohne beobachten. So lernt ihr schneller die Signale zu lesen.


Wie ging es bei uns in der Nacht weiter?
Nachdem ich mitbekommen hatte, dass die nächtlichen Strampelaktionen mit einer vollen Blase zusammenhingen, begann ich sie auch in der Nacht abzuhalten.
Von Vorteil war, dass wir das alles im Halbschlaf erledigen konnten.
Unsere Potette plus (ein tolles Töpfchen) stand immer griffbereit im Bett. Töpfchen zwischen meine Beine, meine Tochter zwischen meine Beine über das Töpfchen gehalten und nach kürzester Zeit entleerte sie ihre Blase.
Töpfchen in einem Kübel neben dem Bett entleert und alle konnten entspannt und ohne Strampeln weiter schlafen.
Zusätzlich sei erwähnt, dass Babys in der Nacht durch ein Hormon seltener ihre Blase entleeren müssen, da weniger Harn produziert wird.
Mit dreieinhalb Monaten war unsere Tochter bereits in der Nacht trocken. Dies hat sich auch bis heute nicht geändert.
Sie weckt mich durch leichtes Strampeln und ich halte sie maximal zweimal in der Nacht ab oder sie muss garnicht.
Meistens verbinden wir den halbwachen Zustand noch mit einem Stillvorgang und schlafen dabei beide weiter.
Ich muss aber dazu sagen, dass es bei uns deshalb so gut funktioniert, weil unsere Tochter alles im Halbschlaf macht.

Es gibt sehr wohl Kinder die dabei komplett erwachen und dann nur noch schwer in den Schlaf finden.
So sich das Baby in der Nacht in die Windel entleert, würde ich in diesem Fall das Baby nicht abhalten. Vorausgesetzt es ist wieder für alle in Ordnung.

Kein Töpfchen Training, keine Sauberkeitserziehung:


Ganz wichtig ist, es handelt sich hierbei um kein Töpfche Training oder um ein Sauberkeitstraining. Es geht darum besser miteinander zu kommunizieren und auf die Signale des Babys reagieren zu können.

Es soll Spaß machen und weder mit Druck, noch mit Stress ausgeführt werden.
Es soll ein Angebot an das Baby sein sich nicht in die Windel entleeren zu müssen, wenn es dies nicht möchte.
Man kann abhalten mit normalen Wegwerfwindeln, mit Stoffwindeln, windelfrei oder Teilzeit windelfrei.
Wie oder in welcher Form ist nicht wichtig.
Es wird Erfolge geben, es wird aber auch Rückschläge geben. Wir waren schon komplett windelfrei und durch die gewonnene Mobilität unsere Tochter benutzen wir auch wieder Stoffwindeln und halten zusätzlich ab.
Es gibt Tage ohne Stoffwindel und Tage wo sie so in ihrem Spiel vertieft ist, dass sie schlichtweg besseres zu tun hat als auf den Topf zu gehen.
Das ist aber nicht schlimm. Im Leben gibt es Auf- und Abs und das Wichtigste ist, dass es für unsere Tochter passt.

Ein weiterer positiver Aspekt vom Abhalten ist, Babys leiden seltener unter den berühmten Koliken.
Durch die angehockte Haltung beim Abhalten können Babys sehr gut Winde lassen und Stuhl absetzen.

Abhaltepositionen:

Babys haben anfangs noch keine Körperspannung. Hierbei empfiehlt sich das Abhalten in der Wiegepositionen (siehe Bild mit Puppe). Ansonsten seid ihr gut beraten, wenn ihr die Position sucht, welche eurem Baby angenehm ist.

Neugeborene haben häufig Schwierigkeiten "Loszulassen" und den Beckenboden zu entspannen. Wodurch sie anfangs auch mal weinen, kurz bevor sie die Blase entleeren. Wir hatten glaube ich mit knapp 8 Wochen eine Phase in der wir 1 oder 2 Wochen nicht abgehalten haben, weil sie es einfach nicht wollte. Auch das ist zu akzeptieren!


Denkt immer daran, es soll ein Angebot an das Baby sein, wenn es dies möchte. Das Baby entscheidet!

Wie häufig muss mein Baby Stuhl haben?

Jedes Baby ist anders. Und demnach auch seine Verdauung. Vollgestillte Babys (Babys, die ausschließlich Muttermilch bekommen) können zwischen 10x/Tag oder 1x in 10 Tagen Stuhl absetzen und es fällt noch unter "normal". Dies gilt aber erst ab der 4.-6. Lebenswoche. Für diese Zeit sollte das Baby mehrmals täglich Stuhl haben, genauso wie Babys die PRE bekommen. Sollte ein Baby in dieser Zeit nicht mehrmals täglich Stuhl haben, empfiehlt es sich, die Gewichtsentwicklung zu begutachten, um eventuelle Rückschlüsse auf eine nicht optimale Versorgung mit Muttermilch geben zu können.

In den ersten Wochen kommt es zu einer Darmumstellung. Babys leiden hierbei häufig unter Koliken und Bauchschmerzen, u.a. durch den Magen-Darm "Reflex".

Es ist nicht ratsam hier mit Medikamenten eingreifen zu wollen. Denn der Darm muss erst "reifen".

Ebenso besteht die Möglichkeit, dass das Baby durch eine falsche Saugtechnik Luft beim Trinken schluckt und sich somit mit der Luft im Darm quält.

Deswegen seid ihr immer gut beraten, wenn ihr zumindest 1x eine Stillberaterin hinzuzieht um zu schauen ob alles passt.

Wie kann ich sanft unterstützen:

  • Abhalten - Oft reicht nur die angehockte Position
  • Viel in der Tragehilfe oder im Tragetuch tragen - durch die Anhockspreizhaltung sind die Beine gut angehockt, Mamas oder Papas Wärme am Bauch tut gut und die Bewegung wirkt sich entspannend auf den Darm aus
  • Vermeidet Stress - Um Stuhl und Harn absetzen zu können muss der Parasympathikus aktiv sein. Unser "Ruhenerv" - "Entspannungsnerv". Ist das Babys Stress ausgesetzt, z.B. wird es von fremden Personen gehalten (auch wenn es schläft), prasseln viele Reize auf das Baby ein oder ist Mama sehr gestresst, aktiviert sich der Sympathikus. Dieser führt zu Spasmen (Verkrampfungen) im Darm. Dadurch entstehen u.a. Koliken.
  • Fahrradfahren mit den Beinen des Babys -Euer Baby liegt am Rücken und ihr bewegt seine Beine vorsichtig wie beim Fahrradfahren. Winkelt die Beine vorsichtig in Babys Bäuchlein und dann wieder ausstrecken. Bitte immer ganz vorsichtig und langsam. Die Kniegelenke nie ganz durchstrecken! Hierbei wird der Darm durch die Beine selbst und durch den Muskel iliopsoas massiert.
  • Massage mit Fenchel/Kümmelöl - Hier bietet sich eine leichte Bauchmassage oder Fußreflexzonenmassage an. Die Bauchmassage immer im Uhrzeigersinn. Am besten mit streichenden Bewegungen oder die Daumen leicht kreisen lassen. Immer nur so lange wie es für das Baby in Ordnung ist. Bei den Füßen empfiehlt sich der Fersenbereich und das hintere Drittel der Fußsohle.
  • Warmes Kirschkernkissen - VORSICHT vor VERBRENNUNGEN! Testet die Wärme unbedingt länger auf eurem inneren Unterarm. Es wird nämlich mit der Zeit punktuell immer wärmer. Am besten schlagt ihr das Kissen in eine Mullwindeln ein.
  • Fliegergriff auf eurem Unterarm - Euer Baby liegt in Bauchlage mit dem Kopf zu eurer Armbeuge auf der Innenseite eures Unterarmes (ihr dreht zuvor die Handfläche nach oben) - jetzt könnt ihr den Popo sanft oder auch ein BISSCHEN mehr beklopfen. Vielen Babys ist es angenehm, wenn ihr direkt in Höhe des Anus klopft.
  • Reflektiert eure Nahrungsaufnahmen - Ich glaube es gibt kein Thema bei dem die Meinungen von Fachpersonal so stark auseinander gehen, wie hier. Fakt ist, Muttermilch wird aus Blut gebildet und nicht aus dem Mageninhalt. ABER: Manche Stoffe gelangen dennoch in die Muttermilch z.B. ätherische Öle aus Nahrungsmittel, Medikamente, ... Viele Hebammen empfehlen in der ersten Zeit auf folgende Produkte zu verzichten:
  • Roher Zwiebel, Knoblauch, Mais, Kohlsorten und alles was euch selbst bläht
  • Kein Still- oder Fencheltee in Eigenrechie! - ist wie Medizin zu behandeln und kann bei übermäßigem Genuss (mehr als 1 Tasse/Tag) zu Bauchweh bei Babys führen
  • NIEMALS dem Baby etwas Anal einführen. Hier kann es zu gefährlichen Verletzungen und Blutungen im Darm kommen.
  • Seid sparsam mit medikamentösen Eingriffen

Diese Tipps ersetzen jedoch weder das Gespräch mit eurer Hebamme noch mit eurem Kinderarzt.

Wie sieht Muttermilchstuhl aus?

Muttemilchstuhl ist flüssig. Die Farbe kann sehr stark variieren. Von Gelb über braun zu grün. Der Geruch ist eher milchig, ein bisschen wie Hüttenkäse mit weißen "Flöckchen" durchzogen. Wenn Babys viel Luft schlucken z.B. durch weinen oder auch einer falschen Saugtechnik an der Brust, kann der Stuhl schaumig werden.

Wenn ihr euch unsicher seid, empfehle ich euch einfach eure Hebamme oder euren Kinderarzt zu fragen. Hebt die Windel mit Stuhl auf und zeigt sie her. Dafür müsst ihr nicht einmal das Baby mitnehmen.